Aktuelles


ENL - Projekt "OrchideenWeiden" des NABU Thüringen

"OrchideenWeiden - Modellprojekt zur Etablierung von Weidelandschaften zum Erhalt von Orchideenstandorten im Saale - Holzland - Kreis" ist ein von der EU und dem Land Thüringen gefördertes ENL - Projekt.
Ziel des Projektes ist die Förderung von Kalkhalbtrocken- und Kalktrockenrasen (FFH - Lebensraumtyp 6210*) in zwei Projektgebieten. Dabei soll in einem Modellversuch getestet werden, ob es mittels naturnaher extensiver Beweidung möglich ist, für die Pflege von Orchideenstandorten ein ökonomisch tragfähiges Konzept zu entwickeln.
Bei den Projektgebieten handelt es sich um Flächen südlich von Rodias und nordwestlich von Altenberga im FFH - Gebiet Nr. 130 "Reinstädter Berge - Langer Grund" und bei Frauenprießnitz im FFH - Gebiet Nr. 243 "Frauenprießnitzer Holz und Laase". Hier sind diverse wertvolle Lebensraumtypen trockenwarmer Standorte sowie seltene Orchideen und Tiere zu finden. Zu diesen zählen interessante Orchideen vor allem Frauenschuh (Cypripedium calceolus), Langblättriges Waldvöglein (Cephalanthera longifolia), Bienenragwurz (Ophrys apifera), Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) und einige Knabenkräuter. Hier bekannte Tierarten sind Neuntöter (Lanius collurio), Sperbergrasmücke (Sylvia nisoria), Ortolan (Emberiza hortulana), Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und das Große Mausohr (Myotis myotis).
Nach der Kontaktaufnahme zu Eigentümern und Flächennutzenden, Recherche zu historischen Nutzungsformen und Pflege- und Entwicklungsplänen findet momentan die Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Pächtern statt. Einige Flächen müssen einer Initialpflege unterzogen werden, um ihren Erhaltungszustand wieder herstellen zu können. Des Weiteren werden mit den Flächenbewirtschaftenden und landwirtschaftlichen Betrieben Nutzungs- und Pflegekonzepte entwickelt, um die Umsetzung der Maßnahmen langfristig und nachhaltig abzusichern. Abschließend soll durch eine Erfolgskontrolle die Artenzusammensetzung auf den beweideten Flächen (Orchideen, Brutvögel, Tagfalter und Heuschrecken) geprüft und die Auswirkungen der Maßnahmen kontrolliert werden. Bearbeitet wird das Projekt von Carolin Frötschner und Friedhelm Petzke.
Die Gebiete bei Altenberga, Frauenprießnitz und Rodias wurden ausgewählt, da sie gefährdeten Lebensraum beinhalten, welcher geschützt und erhalten werden soll. Halbtrockenrasen sind durch Nutzungsaufgabe und mangelnde Pflege in Ihrem Bestand bedroht. Vor allem die fehlende Beweidung mit Schafen bzw. Ziegen führt zu einem Rückgang hochwertiger Halbtrockenrasen- und Orchideenstandorte.
"OrchideenWeiden" läuft vom 1. August 2017 bis zum 31. Juli 2020.
Gärten - Winterquartier für viele Tiere

Jetzt im Herbst kehrt Anfang November wieder Ruhe ein. Doch auch im Winter ist der Garten wichtiger Lebens- und Überwinterungsraum für Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Vögel. Einige Tagfalter, wie der Zitronenfalter und das Tagpfauenauge, überwintern hier bei uns in frostfreien Verstecken wie in Geräteschuppen, Dachstühlen, Nischen, Baumhöhlen und in Nistkästen. Besonders winterhart ist der Zitronenfalter, der bis zu minus 20 °C verträgt und sich gerne am Efeu und am Brombeergebüsch festsetzt über die Winterzeit. Deshalb sollte man viele Pflanzen stehen lassen.
Andere Tagfalterpuppen überwintern im lockeren Boden und haben dort optimale Bedingungen, und noch bessere, wenn die am Boden liegenden Blätter liegen bleiben. Baumrinden und Astgabeln sind hervorragende Eierüberwinterungsplätze von Raupen aller möglichen Insektenarten, die ihre Eier auch direkt an Veilchen oder Brennesseln ablegen, die gleichzeitig auch ihre Futterpflanzen sind. Mauerritzen, Bretterspalten und Dachsparren sind die bevorzugten Überwinterungsplätze der Marienkäfer, die die Geselligkeit mögen und in Haufen zusammen den Winter verpennen. Auch die Marienkäfer wurden im Sommer im Garten gesichtet.
Bleiben noch die Wespen, Hornissen, Wildbienen und Hummeln, von denen nur die Königinnen überwintern und sich im naturnahen Garten recht wohl fühlen. Beliebte Winterquartiere sind Mäuselöcher, hohle Äste in den Bäumen sowie Hohlräume im Komposthaufen, wo auch Käferlarven, Blindschleichen und Lurche gerne überwintern.
Die Vögel sind rund ums Jahr auch im Garten aktiv, so daß sie uns auch im Winter mit ihrer Gegenwart erfreuen werden wie die Meisen, Spatzen, Amseln, Krähen, Rotkehlchen, Elstern, Tauben und Spechte. Die hier im Sommer zu beobachteten Schwalben und die Haus- und Gartenrotschwänze sind längst auf der iberischen Halbinsel in Spanien oder Portugal, während die Mauersegler in Süd- und Westafrika (Mosambique) und am südlichem Rande der Sahara ihre Reviere haben.
Insgesamt bitten die Tiere darum, daß die Menschen nicht zuviel Herbstputz machen. Vor allem Altholz, Pflanzenstengel, Laubhaufen und Höhlungen im Boden sollten erhalten bleiben. Ein etwas unaufgeräumter, wilder und blätterreicher Garten ist der Garant für einen erfolgreichen Start ins neue Insekten- und Vogeljahr zu unserer Freude.
Bis zum Ende des Monats Oktober konnten noch die schwebenden Taubenschwänzchen - eine Falterart aus Italien - bei der Nektarsuche an Pechnelken in vielen Gärten des ländlichen Raumes beobachtet werden.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender


Positive Entwicklung der regionalen Artenvielfalt NSG Rothenstein 2018

In diesem Jahre haben im NSG TÜP Rothenstein und anderen naturbelassenen Landschaftsbereichen mit Feldgehölzen, Säumen, Wäldern, Wiesen und Hecken wieder viele Vogelarten gebrütet. Wir konnten auch seltene Arten auf dem Truppenübungsplatz Rothenstein beobachten. Zum Beispiel haben wir in einem alten Buchenwald am Ostrand des Schutzgebietes alle Spechtarten Thüringens beobachten können, die hier brüteten. Schwarzspecht, Grauspecht, Grünspecht, Buntspecht, Mittelspecht, Kleinspecht und Wendehals. Letzterer hat hier seinen Verbreitungsschwerpunkt im SHK mit mindestens 10 Bruten. Hinzu kommen Pirol, Baumfalke, Uhu, Rauhfußkauz, Rot- und Schwarzmilan, Baumfalke, Schwarzstorch (Gastvogel) und Weißstorch (Gastvogel) Wespenbussard, Wanderfalke (Gastvogel), Wiesenweihe (Gast) und Turmfalke sowie Kolkrabe.
Bei den Singvögeln wissen wir nur, dass über 60 Arten wie Goldammer, Grauammer, Wiesenpieper, Baumpieper, Neuntöter, Braunkehlchen, Schwarzkehlchen, Rotkehlchen, Kleiber, Waldlaubsänger, Girlitz, Gimpel, Kohlmeise, Schwanzmeise, Blaumeise Kernbeißer, Feldlerche, Haubenlerche, Mönchsgrasmücke, Gartengrasmücke, u.a. gebrütet haben. Das Gebiet wird von unzähligen Mehl- und Rauchschwalben als Nahrungsgebiet aufgesucht und Tausende von Staren, Zeißigen und Hänflingen finden sich im Herbst zur Rast und Nahrungsaufnahme ein.
Auch die Füchse und Dachse sind recht zahlreich, weil es auf dem Steppengelände des TÜP Hunderttausende, mehrere Hundertausende Exemplare von Mäusen gibt, die eine Schlüsselart in der Nahrungskette darstellen.
Durch die diesjährige, sehr lange Trockenheit sind alle Teiche und Tümpel auf dem Truppenübungsplatz leer gefallen und auch sämtliche Quellen versiegt. Dadurch haben die Gelbbauchunken ihre Reviere verloren und sind von der Bildfläche verschwunden. Auch die Bergmolche und Erdkröten und andere Lurcharten haben wahrscheinlich durch die Wasserarmut kaum Nachkommen reproduziert.
Dafür haben Reptilien weiter zugenommen und verbreitet. Die Eidechsen, die Schlingnattern, Glattnattern und die Blindschleichen mögen warme und heiße Perioden und haben sich daher vermehrt wie auch die Insekten. Wir haben so über vier Dutzend Tagschmetterlingsarten gezählt. Allein bei den Bläulingen über 10 verschiedene Arten.
In diesem Herbst haben wir auf die Mahd der großen Wiesen verzichtet, weil die Gräser und Kräuter nur geringe Dichten aufweisen und auch nur mäßig in der Höhe ausgebildet sind. Trotz der Wärme und Hitze und geringen Niederschläge sind wir mit der Artenvielfalt bei den höheren Blütenpflanzen sehr zufrieden. Allein bei den Orchideen konnten wir über 20 Arten registrieren, darunter Purpurknabenkraut, Waldhyazinthe, Helmknabenkraut, Brandknabenkraut, Fliegenragwurz, Spinnenragwurz, Hummelragwurz, Weißes und Rotes Waldvöglein, Pyramidenwurz mit Ausbreitungstendenz, Blasses Knabenkraut, Bocksriemenzunge (vor 15 Jahren zum erstem Male beobachtet) und Herbstwendelorchis.
Das Naturschutzgebiet hat trotz des heißen und trockenen Frühjahr und Sommer die Vegetationszeit überstanden und zeichnet sich trotz dieser Extremwetterlagen durch eine enorme Artenvielfalt aus. Die neue Straße der B 88 tangiert das Schutzgebiet nicht, so daß keine zusätzlichen Schadstoffeinträge in das NSG zu erwarten sind. Der NABU SHK e.V. wird sich auch weiterhin um die Landschaftspflege sensibler Bereiche kümmern und mit der Schäferei Keuler aus Altendorf eng zusammenarbeiten.

Klaus Götze

   

Naturnahe Gärten im Saale - Holzlandkreis - Oasen der Artenvielfalt

Im Saale - Holzlandkreis tragen die Kleingärtner und Gartenbesitzer seit Jahrzehnten bis ins Jahr 2018 im erheblichen Maße zum Erhalt vieler Pflanzen und Tiere bei, wie langjährige Untersuchungen des NABU SHK e.V. zeigen.
Vor allem naturnah bewirtschaftete Gärten, auflässige Gartenanlagen, weitläufige Landschaftsgärten und Streuobstwiesen sind wertvolle Oasen für viele Organismen wie Insekten, Vögel, Reptilien und Kleinsäuger, sowie für Wildblumen, Sträucher und Kräuter.
Eine hohe Fülle von Arten wie Wildbienen, Hummeln, Ameisen, Schmetterlingen und Singvögeln konnten in verschiedenen Gärten in dörflich geprägten Bauerngärten im südlichen Landkreis nachgewiesen werden. Gebunden ist dieser Artenreichtum an blumenreiche Wiesen, Hecken aus Schlehe, Weißdorn, Heckenrose, Hasel, Schneeball, alte Obstbäume verschiedener Apfel-, Birnen- und Kirschsorten, Brombeer- und Himbeergebüsche, Brennesselfluren, Ödlandstreifen, einheimische Laubbäume, Altholz sowie Wildkräutervorkommen. Eine Vielzahl an Vogelarten, um eine Tiergruppe herauszugreifen, beweist günstige Lebens- und Reproduktions-bedingungen in den naturbelassenen Gärten, denn nur dort können sich eine Vielzahl verschiedener Insekten entwickeln, die die Nahrungsgrundlage für diese Vogelarten bilden wie Ameisen, Käfer, Fliegen, Würmer, Raupen u.a. Hinzu kommen Ruhefaktoren, Abgeschiedenheit, natürliche Kreisläufe und dadurch günstige Standortfaktoren. Das schließt den Einsatz von Pflanzenschutz- und Unkrautvernichtungsmitteln aus. Die Kompostierung der Gartenabfälle gehört zum naturnahen Gärtnern dazu und wird in den beobachteten Gärten praktiziert.
Hier die Ergebnisse der Beobachtungen:
Sehr erfreulich waren die zahlreichen Brutnachweise im Mai und Juni 2011 bis 2018 von Singvögeln in den von uns beobachteten Gärten wie Goldammer, Blaumeise, Kohlmeise, Schwanzmeise, Weidenmeise, Ringeltaube, Amsel, Star, Grünfink, Stieglitz, Gimpel, Gartengrasmücke, Mönchsgrasmücke, Gartenbaumläufer, Heckenbraunelle sowie selten auch den Wendehals, einer bedrohten, selten bei uns vorkommenden Spechtart, die sich im Bestand zumindest stabilisiert hat und ihre Schwerpunkte im Gleistal und bei Rothenstein besitzt.
Wir als NABU - Verband freuen uns sehr über den großartigen Beitrag, den die Gärtner bewusst im Landkreis zum Erhalt der regionalen biologischen Vielfalt leisten.
Im Sommer 2018 haben wir 10 Familien im Landkreis mit der Plakette und einer Urkunde als schwalbenfreundliches Haus ausgezeichnet. Vor allem im Gleistal und im Reinstädter Grund wurden die meisten Schwalbennester an den Gebäuden festgestellt.


Die Abdrift von Pflanzenschutzmitteln ist Fakt !

Das Institut TIEM integrierte Umweltüberwachung GbR bewies in seiner Studie vom 30.11.2014 für das Landesamt für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg eindeutig durch Immissionsmessungen, dass die gesundheitsschädlichen Pflanzenschutzmittel (PSM) weit getragen werden. Die Untersuchungen in diesem Fall bezogen sich nur auf die Stoffe Pendimethalin und Prosulfocarb, da aber die Aufbringungsart aller Pflanzenschutzmittel ähnlich ist, ist sicher davon auszugehen, dass diese Untersuchung auch für alle anderen Pflanzenschutzmittel zutrifft.
Die Grundlage für diesen Studienauftrag waren Rückstandmessungen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, den bundesweit größten zusammenhängenden Bioanbaugebiet. Diese Rückstandmessungen machen gleichzeitig deutlich, dass auch höchst geschützte Naturschutzgebiete durch Pflanzenschutzmitteleinsatz beeinträchtigt werden. Besonders erschreckend ist dabei aber auch die Tatsache, dass bei Messungen in Regenwasserproben und Städten, die weit weg von Anwendungsgebieten von PSM Rückstände gemessen wurden und sich auch Waldökosysteme als betroffen darstellten.

Besonders bemerkenswert ist, dass 2003 in Deutschland systematische raumrepräsentative Immissionsmessungen für PSM des Bundes und der Länder eingestellt und auf die Messung an einigen wenigen Stellen reduziert wurden, so dass seither keine fundierten Aussagen über die räumliche Verteilung von PSM mehr möglich ist!

Bei den Untersuchungen der Verfasser wurde als Emissionsauslöser ein Betrieb in 10 km Entfernung von dem Bioanbaugebiet gewählt und Untersuchungswerte aus zwei Passivsammlern, aus Rinde-Proben von zahlreichen Bäumen in unterschiedlichen Abständen zum Anwender und aus Proben aus einem Körnerfenchelanbau im Biosphärenreservat genommen. Dabei stellte sich u.a. heraus, dass Rückstände in der Luft noch Monate nach der Anwendung der PSM gemessen werden konnten. Als weitere Ergebnisse zeigten sich in dem Gutachten:

    - die Ergebnisse aus dem Screening der Immissionsbelastung weisen eine deutliche, über einzelne Standorte hinausgehende Belastung für die Region aus
    - die Datenlage dieser und anderer Untersuchungen lassen den übereinstimmenden Schluss auf eine unerwünschte, weiträumige und anhaltende Verbreitung von Rückständen in der Umwelt zu
    - hierbei wurden Konzentrationen erreicht, die im Bereich problematisch eingestufter POPs wie Lindan und DDT liegen
    - die Ergebnisse des Screenings zur weitläufigen Verteilung in dem festgestellten Ausmaß werden als bedenklich bewertet und sollten weiter abgesichert werde
Für uns ergeben sich aus dieser Studie folgende Schlussfolgerungen:
Wie aus den Aussagen der Datenblätter des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit deutlich wird, ist die Gesundheitsgefährdung, die von den 1.477 zugelassenen PSM ausgeht, als sehr unterschiedlich zu bewerten. Aber bei den folgenden Aussagen allein zu den Folgen für die menschliche Gesundheit:
    - gesundheitsschädlich 408x
    - gesundheitsschädlich beim Einatmen 155x
    - kann Kind im Mutterlaib schädigen 79x
    - bei Verschlucken Arzt aufsuchen 527x
    - kann ernste Augenschäden verursachen 243x
    - kann Organe schädigen 16x
    - wahrscheinlich krebserregend 81x
    - kann beim Eindringen in die Atmungsorgane tödlich sein 22x
    - reizt die Haut 317x
    - kann Allergien auslösen 263x
    - enthält Formaldehyd (krebserregend) 48x
    - bei Verschlucken können Lungenschäden entstehen 49x
    - reizt Atemorgane 102x
    - kann Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen 16x
fühlen wir uns in unserer Forderung, diese gesundheitsgefährdenden PSM sofort vom Markt zu nehmen, bestätigt!


Vom Wasser der Leutraquellen im Jenaer Mühltal

Nach dem heutigen wissenschaftlichen Kenntnisstand hat es schon immer Wasser auf der Welt gegeben. Forscher gehen davon aus, dass es über unvorstellbar viele Kometen und Asteroiden als Eis auf die Erde gekommen ist. Wasser macht aber nur 2% der Masse der Erde aus. Flüssiges Wasser wäre verdunstet. Das Wasser dürfte genau so alt sein wie die Erde selbst. Mindestens seit 4,6 Milliarden Jahren gibt es Wasser auf unserem Planeten. Gehen wir einmal davon aus, dass es so war. Ozeane hat es damit immer gegeben. Durch die Kontintaldriften waren die Meere im Laufe der Erdgeschichte Geburtshelfer neuer Festländer und Inseln bis zum heutigen Tag. Das wissen wir genau. Unsere Vorfahren haben sich dort angesiedelt, wo es Wasser gab zum Trinken, zum Kochen und zum Fischen. Bei den Germanen war Laga die Göttin der Flüsse und der Quellen. Vor allem die Quellen wurden in heidnischer Zeit von den Menschen sehr verehrt und geschützt.
Im Luisenheim trägt der untere Wohnbereich den Namen Leutraquelle. Tatsächlich entspringen nur etwa 1 Kilometer weiter westlich vom Luisenheim an der Stadtgrenze die Leutraquellen. Das Wort Leutra stammt aus dem Althochdeutschen vom Wort "hlut(t)ar" ab und davon lässt sich im mitteldeutschen das Wort "liudraha" ableiten, das so viel wie reines, klares Wasser bedeutet. Es handelt sich um mehrere Quellen, die an einem Bergsporn des Muschelkalks austreten und ganzjährig den Leutrabach speisen, der bis zum alten Zeißhochhaus offen fließt und dann als verrohrter Bach bis zur alten Zeißgarage abfließt. Hinter der Garage ist er wieder offen, unterquert die Rudolstädter Straße und mündet unterhalb dem Paradieskaffee in die Saale.
Im Jahre 1670 begannen die Anfänge der städtischen Wasserversorgung in Jena mit dem Bau von zwei Holzleitungen von den Leutraquellen bis zu einem Sammelbehälter vor dem Johannistor, wo bis zur Wende eine öffentliche Toilette war. Später war der Behälter im Born - Haus, der heutigen Bücherstube, untergebracht.
Um 1740 gab es in Jena 34 Laufbrunnen, von denen der Löwenbrunnen in der Oberlauengasse immer noch intakt ist. Erst 1825 wurden die Holzrohre durch gußeiserne Rohre ersetzt.
Das Quellwasser der Leutra versorgte im hohen Mittelalter 17 Mühlen mit Wasser. Im Jahre 1870 waren es noch 9 Mühlen, die durch das Quellwasser der Leutra angetrieben wurden. Die Quellen schütten am Tag etwa 8.000 bis 12.000 Kubikmeter und wurden bis Anfang der achtziger Jahre von der damaligen VEB WAB als Trinkwasser genutzt. Wegen der vielen Mühlen heißt es deshalb auch Mühltal. Heute ist das alte Wasserwerk im Mühltal still gelegt. Ein Besuch zum Tag der Offenen Tür ist immer ein Erlebnis.

Klaus Götze


Der Quellbach der Leutra, Foto: Hans Krausser NABU SHK

Gelungene Aktion des NABU SHK e.V. "Schwalben willkommen"

Auch in diesem Sommer, Mitte Juli, haben wir unsere Aktion "Schwalben willkommen" im Landkreis durchgeführt.
Für ihr großes Engagement und ihre Liebe zu den Mehl- und Rauchschwalben hat Christiane Steinhardt vom Vorstand des Kreisverbandes vor Ort die Auszeichnungen in Sichtweite der Schwalbennester vorgenommen.
Die Mehl- und Rauchschwalben wie auch die Mauersegler gehören zu uns und siedeln gerne im ländlichen Raum, wo es noch genügend Haustiere gibt und wo die Menschen den Vögeln das Nisten und die Brut ermöglichen.
Viele Kleintierhaltungen gibt es leider nicht mehr und mit ihrem Verschwinden kehren auch die Schwalben nicht zu ihren angestammten Nistplätzen zurück, weil einfach die Insekten fehlen, die die Tiere für sich und ihre Brut brauchen.
Daher freuen wir uns darüber, dass wir einige der lieben Menschen im Kreis auszeichnen konnten, stellvertretend für die vielen anderen, die auch den Schwalben eine Heimstatt geben.

Insbesondere:
Konstanze Dahlke aus Kleinpürschnitz, Silke Timmermann aus Lindig, Familie Hünniger vom Kristallhof in Gernewitz, Familie Preißer aus Golmsdorf, Familien Weise und Weisheit aus Beutnitz, Familie Meyer / Grundherr aus Hetzdorf und Sven Baumann aus Gröben, Michael Steinbrecher aus Posewitz

Wir wünschen allen Schwalbeneltern noch viele schöne Beobachtugen ihrer "Hausmitbewohnern" und dabei viel Freude.

Christiane Steinhardt, Schatzmeisterin


Die Wiese im Wandel der Zeiten

Im 12. Jahrhundert prägten vor allem Wälder das Bild und der Mensch ernährte sich vom Ackerbau und begann mit der Domestizierung von Wildtieren. Durch den Brennholzeinschlag und Rodung des Waldes entstehen die ersten Blößen, aus denen sich Wiesen entwickelten durch den Menschen.
Um 1350 verschlechterte sich zunehmend das Klima und es wurde kälter. Mit der kleinen Eiszeit kamen harte Winter mit viel Schnee und im Sommer regnete es oft in Strömen, so dass die Ansiedlung von Dörfern ins Stocken kam. Nach fast 270 Jahren wurde es wieder wärmer und der Mensch rückte dem Wald mit der Axt und Säge zu Werke. Im 19. und bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es viele und blumenreiche Wiesen rund um die Dörfer und Städte. Nicht nur die Haustiere wie Ziege, Kuh und Pferd profitierten davon, sondern die Wiesen boten auch reichlich Nahrung für Maus, Maulwurf, Mäusebussard, Fasan, Rebhuhn, Storch und Feldhase, bot sie doch reichlich Futter, Schutz und Lebensraum für diese und andere Tiere wie Heuschrecken, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge, Vögel und Käfer. Der Bauer damals mähte die Wiese noch mit der handgedengelten Sense und gedüngt wurde kaum und wenn, dann mit Stalldünger. Die Wiese dankte es den Menschen mit Reichtum an Kräutern und gutem Futter für die Haustiere im Winter. Doch Mitte der 60-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts endet die bisherige Geschichte. Es gab ein jähes Ende, denn Traktoren, Pflüge, Düngemittel und Gülle machten in nur wenigen Jahren die Wiese zu eintönigem Grünland und so ist es bis heute geblieben. Fette Grasacker, bis 4x im Jahr gemäht plus hohe Kunstdüngergaben ließ die Tiere in der Wiese verstummen - Grabesstille herrscht im Sommer. Schließlich brauchen die Kühe von heute eiweißreiches Gras und siliertes Futter. Auf diese Weise kam die Artenvielfalt der Wiese unter die Räder, weil die Menschen billige und große Mengen an Milchprodukten wollen.
Viele Tier- und Pflanzenarten sind daher verschwunden. Nur noch wenige Arten überleben diesen Streß wie der Löwenzahn, das Knäulgras, Brennessel, Maulwurf und Grille. Müssen wir uns daran gewöhnen, dass die artenreichen Wiesen verschwunden sind? Nein! Landwirte reagieren auf uns als Verbraucher über den Markt. Jeder einzelne kann aber auch einkaufen bei zertifizierten Bioproduktbauern und so beitragen, dass dieser hochsensible Lebensraum Wiese überlebt.
Wir als aktiver Naturschutzverband pflegen seit Jahrzehnten über 6 bis 10 ha Wiesen lichtdurchfluteter Muschelkalkhänge und Feuchtwiesen in Naturschutzgebieten des Saale - Holzland - Kreises und leisten damit einen Beitrag zur Erhaltung blumenreicher Wiesen mit einer hohen Fülle an Pflanzen- und Tierarten für uns und zukünftige Generationen.
Machen Sie bei uns mit - die Wiese wird Sie belohnen mit üppiger Blütenpracht - zu Ihrer Freude ! Pflegetermine finden Sie auf unserer Homepage.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender


Bericht von Dietrich Berger über die Orchideenblüte 2018

Von den Pyramidenorchis konnte man in diesem Jahr viele sehen, auch an Stellen, wo sie vor einigen Jahren noch nicht vorkamen.
Besonders stark geblüht hat die Grüne Waldhyazinthe, die Bocksriemenzungen waren zahlreich, aber meines Erachtens nach etwas klein. Purpur-Knabenkraut und Helm-Knabenkraut waren normal bis etwas mäßig vorhanden, Fliegen-Ragwurz nicht so viele wie sonst. Die Frauenschuhe waren auch schon mehr und größer, aber trotzdem kann man zufrieden sein. Insgesamt war die Wiesenblüte nicht schlecht, aber bei den Orchideen merkt man schon, dass das Klima immer trockener wird.
Den meisten Arten gefällt das nicht so sehr, die schönsten Exemplare entwickeln sich unter dem Schutz von lichten Sträuchern.
Was mir noch aufgefallen ist: Noch nie waren solch intensive und ausgedehnte Trampelpfade zu einzelnen Orchideen und Orchideengruppen zu verzeichnen. Das betrifft auch nicht nur die Bereiche direkt am Weinbergsweg, sondern teilweise quer über die Wiesen bis an den Wald heran. So langsam stellt sich eine Situation ein, wie wir sie vom Leutratal her kennen. Die zunehmende Bekanntheit hat auch große Nachteile, denn so mancher "Orchideenfreund" muss auch die entfernteste Pflanze aus der Nähe fotografieren und wenn er dabei ein paar Dutzend andere Pflanzen niedertritt, ist vielen das herzlich egal. Habe am Tag meiner Führung selbst eine Truppe aus Chemnitz gesehen, die kreuz und quer über die Wiesen marschierten.
Schön ist es, dass sich die talwärts gelegenen Wiesen auch gut entwickeln (z.B. dort, wo die Rudi-Heyer-Bank steht). Man hat manchmal den Eindruck, dass wohl auch gelegentlich nachgeholfen wird (z.B. ist die Ausbreitung der Pyramidenorchis so am besten zu erklären). Aber das werden wohl keine invasiven Neophyten werden, die man dann mit großem Elan und Kraftaufwand beseitigen muss.

Dietrich Berger, Diplombiologe
Bericht über die Amphibienerfassungen des NABU SHK e.V. 2018

Auch in diesem Jahr wurden wieder Lurcherfassungen im Landkreis von den Mitgliedern und Freunden des NABU durchgeführt.
Verantwortliche Leiter der fast vierwöchigen Erfassungen waren Volkmar Schmeißer aus Göschwitz und Ekkehardt Rauche aus Hermsdorf. Zählungen und Artbestimmungen fanden auch im Rotehofbachtal statt, mit einer Länge des Schutzzaunes von ca. 2000 m. Hinzu kamen der Leubengrund, wo an der Lindenmühle 500 m Zäune installiert wurden und an der Autobahnabfahrt in Bad Klosterlausnitz mit 250 m Länge. Jeden Tag mußten die Helfer und Helferinnen etwa 200 Eimer auf Lurche hin kontrollieren und ihre Anzahl und Art bestimmen. Das kostete jeden Tag etwa 5 bis 6 Stunden (früh, abends). Nach dem Zählen und Bestimmen wurde
jeder einzelne Eimer über die Straße getragen und die Amphibien in einen Teich eingebracht, wo die Tiere dann ablaichen. Erst nach der Metamorphose vom Ei zur Kaulquappe bis zum Lurch mit Beinen und Lungen dauert es 6 bis 10 Wochen. Dann wandern die Jungtiere einzeln an Land oft weit weg (bis 5 km), um jedes Jahr wieder zu dem Gewässer zu wandern, in dem sie geboren wurden. Wie sie das wiederfinden, ist ihr großes Geheimnis.

  Aufbau der Schutzzäune: Abbau der Schutzzäune:
Rotehofbachtal: 27. März 2018 18. April 2018
Bad Klosterlausnitz: 28. März 2018 16. April 2018
Leubengrund: 03. April 2018 24. April 2018

Erfassungszeiten: jeden Tag am Morgen und am Abend
Anfahrt: täglich ca. 50 km von Jena zur Einsatzstelle und zurück nach Jena
Nachgewiesene Amphibienarten: Erdkröte, Grasfrosch, Knoblauchkröte, Teichfrosch, Bergmolch, Teichmolch, Kammmolch
Anzahl der Lurcherfassungen:
- Rotehofbachtal: ca. 10.000 Individuen
- Bad Klosterlausnitz: ca. 1.000 Individuen
- Leubengrund: ca. 1.500 Individuen

Bilanz:
Die am häufigsten erfaßte Art ist die Erdkröte, die hier im Landkreis sehr präsent und anpassungsfähig ist und außer Felsen alle Lebensräume besetzt. Im Rotehofbachtal und Umgebung dominiert die Erdkröte mit über 90% der vorkommenden Lurche. Auch der Teichmolch ist in den großen Teichen entlang des Rotehofbaches häufig anzutreffen, während der Grasfrosch nur sporadisch vorkommt. Gefreut haben wir uns über die stabilen Vorkommen des Kammmolchs und der Knoblaukröte im Rotehofbachtal. Im abgeschiedenen Leubengrund mit der weiten Waldverbreitung gibt es nur die Erdkröte und den Bergmolch. Sehr selten ist dort der Grasfrosch zu beobachten.
Insgesamt haben sich in den einzelnen Gebieten durch den jahrelangen Einsatz von Schutzzäunen durch die Mitglieder und Freunde des NABU KV SHK die Amphibienbestände sichtlich vergößert und stabilisiert und gezeigt, dass sich angewandter Artenschutz langfristig immer auszahlt.
Unsere Agenda - Etwas tun statt nur zu reden!

Der Vorstand dankt allen Aktiven an dieser Stelle ganz herzlich!

Volkmar Schmeißer / Klaus Götze
Versicherungsschutz für unsere NABU- und NAJU Mitglieder

Haftpflichtversicherung - sog. Würtembergische Versicherung Nr. 30 1143799-24

Grundlage der Haftpflichtansprüche bildet § 823 ff Bundesgesetzbuch.
Wer und was ist versichert ?

1. Der NABU Deutschland e.V. und seine Untergliederungen mit seinem Vereinszweck, wie die Förderung des Naturschutzes und des Eintretens für Belange des Umweltschutzes.

2. Die Durchführung von Artenschutzmaßnahmen für gefährdete Pflanzen und Tiere, Betreuung von Lurchschutzzäunen, Vogelkästenkontrollen, Veranstaltungen, Mahdarbeiten, Exkursionen und Zusammenkünfte, Vorträge und Filmvorführungen

3. Anlegen von Feuchgebieten, Teichen, Bächen und Bachbiotopen, Halten und Hüten von Schafen, Aufstellen von Fütter- und Brutkästen, Landschaftspflegearbeiten

4. Förderung des Natur- und Umweltschutzes unter Kindern und Jugendlichen und im Bildungsbereich, in der freien Natur.

5. Veranstalten von Vereinsfesten, Versammlungen und Verköstigungen zum Zwecke des Vereins sind versichert !

Wichtig:
Grundlage der Versicherung sind die Allgemeinen Unfallversicherungsbedingungen (AUB) sowie die besonderen Bestimmungen zu den AUB. Der Versicherungsschutz hat Weltgeltung. Versichert sind Dauerschäden und der Unfalltod. Eine dem Unfall folgende Heilbehandlung, entweder stationär oder ambulant, muss kostenmäßig bis zu ihrem Abschluss von der jeweiligen Krankenkasse des Versicherten getragen werden. Anschließend entscheidet ein ärtzliches Gutachten über die Invaliditätsstufen, die dann Basis der Zahlung einer Entschädigung aus den versicherten Summen ist.

Hier die Unfall - Versicherungssummen:
Invalidität 51.129,19 Euro
Volle Invalidität 102.258,38 Euro
Todesfall 10.225,84 Euro
Bergungskosten 766,94 Euro

Weitere Informationen: NABU Deutschland e.V., Kreisverband SHK e.V., Herr Klaus Götze
Schwerpunkte der ehrenamtlichen Tätigkeiten des NABU SHK e.V. im Jahre 2018

1. Artenschutz: Aufbau und tägliche Kontrollen mit Lurchartenerfassungen im Leubengrund bei Kahla mit Beteiligung der Bewohner in der Lindenmühle und der Linzmühle.
Betreuen und Erfassen der Amphibien im Rotehofbachtal und im Leubengrund bei Kahla.
Kartierung der Blütenpflanzen im Naturschutzgebiet NSG "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal".
Kontrollieren und Erfassen der Eulen und Dohlen in Kirchen im gesamten Landkreis Saaleholzland.
Weiterführung des Igelprojektes für Thüringen mit Einbeziehung von Vorträgen an Schulen im Landkreis und in Jena.
 
2. Biotoppflege: Handmahd der Halbtrockenwiesen am Lichtersberg TÜP Rothenstein und Pflege des alten und jungen Streuobstbestandes TÜP Rothenstein.
Kleine Entbuschungsaktionen im Löschtal auf dem TÜP Rothenstein.
 
3. Gewässerschutz: Laufende Gewässerkontrollen über mögliche Einleitung von Wasserschadstoffen im Gleistal und ins Grundwasser des Grümpelborns bei Wichmar.
Kontrolle von auflässigen ehemals gefassten Quellen im Süden des SHK.
 
4. Wildkatze: Weiterführung des NABU Wildkatzenprojektes im SHK.
 
5. Öffentlichkeitsarbeit: Interventionen gegen Glyphosat, Erhalt der biologischen Vielfalt, Infos zu aktuellen Umweltschutzthemen, Eigenwerbung in Schulen
 
6. Exkursionen: Geführte Exkursionen in Schutzgebiete des Landkreises - Botanik, Ornithologie, Entomologie, Pilze. Ab Ende April bis Oktober.
 
7. Vorträge: Weiterbildungs- und Informationsveranstaltungen im Winter / Frühjahr 2018 im Gasthaus "Goldenes Schiff" in Maua.
 
8. Stellungnahmen: Berichte und Stellungnahmen zu Eingriffen in die Natur durch geplante Windenergieanlagen und Energietrassen.

Kleine Kobolde bei Suhl

Am 27. Dezember 2017 konnte durch mich das Blattlose Koboldmoos ( Buxbaumia aphylla ) in einem kleinen Steinbruch bei Suhl festgestellt werden. Die bisher letzte Beobachtung stammt von der Steinsburg bei Suhl aus dem Jahre 1954. Seitdem hat meines Wissens niemand dieses seltsame Moos wieder gefunden.
Das Moos hat grünlich glänzende, löffelartige Sporenbehälter. Die winzigen Moosblättchen erkennt man nur mit einer starken Lupe. Der zugespitzte Sporenbehälter sitzt auf einem etwa 1 cm langem Stiel. Im reifen Zustand sind Sporenkapsel und Stiel rotbraun gefärbt. Triitt auf dieses zarte Gebilde ein Tier, etwa ein Reh oder auch ein Käfer, dann werden die Sporen wie aus einer Tube herausgepreßt. Die winzigen Blattreserven am Grunde dieses Stiels und die Sporenkapsel können zeitweise Nährstoffe assimilieren, aber das Koboldmoos gedeiht auf Dauer nur, weil es auf einem niederen Pilz parasitiert.
Dieser Pilz braucht stark saure, steinige Rohpostböden und ist sehr empfindlich gegen Umweltver-schmutzung.
Das Blattlose Koboldmoos als auch das verwandte Grüne Koboldmoos sind sehr seltene Arten und daher auch besonders streng geschützt. Während das Blattlose Koboldmoos offene, stark saure Rohböden besiedelt, kommt das Grüne Koboldmoos gern auf im Wald abgelagerte alten Holzstößen vor. Es gibt neuerdings Beobachtungen dieser Art bei Hidlburghausen.

Am Suhler Standort des Blattlosen Koboldmooses gibt es ca. 100 Sporenbehälter. Das zeigt, wie selten dieses Art bei uns ist.
Der Moosfund wurde der UNB Suhl am Fundort gezeigt und darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Behörde Maßnahmen ergreifen muß, um das Vorkommen zu schützen.
Bedenken wir, wie rasch solche Vorkommen vernichtet werden, wenn etwa eines der schweren Holzerntegeräte wie sie im Forst verwendet werden, darüber fährt oder Reisig dort abgelagert würde.

Hartmut Kempf, NABU Henneberger Land, Pilz- und Moosexperte NABU Thüringen
Ästiger Stachelbart (Hericium coralloides), gefunden von Hartmut Kempf von der NABU Ortsgruppe Suhl, Mitte Oktober 2017

Diesen schönen und recht seltenen Waldpilz zu finden ist schon sehr sehr selten. Er kommt an mehreren Meter hohen Baumstümpfen vor, wenn die Holzvermoderung einen bestimmten Grad erreicht hat und verschwindet wieder, wenn die Holzfäulnis voranschreitet.
Der Ästige Stachelbart bevorzugt dicke Buchenstämme, soll aber auch auf Eichen und alte Obstbäume mit Totholzanteil übergehen.
Nur wenigen Pilzkennern und Naturfreunden war es bisher vergönnt, diesem Pilz oder verwandten Stachelbart - Arten zu begegnen und wenn, dann blieben das einmalige Beobachtungen. Über 47 Jahre mußte ich warten.
Alle Stachelbartarten sind sehr selten und unbedingt schützenswert (Rote Liste 2 Deutschland).
Der Ästige Stachelbart ähnelt aus der Ferne dem sehr viel häufigeren dottergelben Schwefelporling, aber beim näheren Hinsehen bemerkt man sschnell die auffälligen, aus einem Strunk hervorquellenden stachelbesetzten Verzweigungen und das insgesamt korallenartige oder fast badeschwammartige Aussehen dieses exotisch anmutenden Pilzes.
Insgesamt 59 Pilzkörper hängen an einem 6 m hohen Baumstumpf, der außerdem noch vom Zundeschwamm reichlich besetzt ist (dunkle konsolartige Fruchtkörper). Der gefundene Ästige Stachelbart hatte 15 x 30 x 40 cm Abmessungen und hatte damit Ausmaße, die z. B. beim häufigen Riesenporling oder auch beim Schwefelporling auftreten können. Und als ob noch eine Besonderheit nötig wäre, stand der Kegelhütige Knollenblätterpilz (Amanita virosa), der tödlich ist und viel seltener als der bekannte Grüne

Knollenblätterpilz vorkommt, sowie zerstreut vorkommende Totentrompete in unmittelbarer Nachbarschaft.
Alle Stachelbartbeobachtungen deuten an, dass nur jenes Altholz befallen wird, das sich in der Nähe von Wasser befindet (Quellen, Rinnsale, Kleinbäche).
Jetzt kommt es darauf an, das neuentdeckte Vorkommen des Ästigen Stachelbartes bei Suhl zu sichern, was im Prinzip über sog. Habitatbäume ("H" - Bäume) möglich ist und in diesem Fall zum Glück für den Artenschutz auch durch einen besondes naturverbundenen Förster problemlos eingerichtet werden kann.

Hartmut Kempf, NABU Henneberger Land, Suhl
Biotoppflegereport NABU SHK in 2017

Diesen Herbst haben die aktiven Mitglieder des Kreisverbandes des NABU SHK e.V. im Naturschutzgebiet Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal, eine ganze Reihe wichtiger Biotoppflege- und Schutzmaßnahmen durchgeführt.
In erster Linie wurden großräumige Wiesenbiotope mit handgeführten Mähern gemäht. Vor allem die große Löschtalwiese im Zentrum des NSG wurde gründlich von der Biomasse befreit. Das anfallende Heu wurde auf einer Deponie entsorgt. Im Anschluß erfolgte ein Abharken der Wiesenflächen per Hand mit dem Rechen.
Teilweise Mahdarbeiten fanden auch auf den Wiesen am Südhang des Lichtersberges im NSG statt. Hier wurden Flächen gemäht, die seit vielen Jahren nicht gepflegt wurden. Die jetzige Pflege wurde durchgeführt, um neue Blumenbiotope für geflügelte Insekten zu schaffen.
Mitte Oktober wurde der ehemalige Russensteinbruch im mittleren Teil des Löschtalsüdhanges entbuscht und gründlich beräumt. Diese aufwendige Arbeit dauerte 2 Tage. Auch das Laufsteggeländer am Steinbruch wurde repariert.
Unsere vielen Nistkästen auf dem TÜP wurden bereits kontrolliert, repariert bzw. erneuert.
Die Jagdpacht auf dem Schutzgebiet hat seit dem 10. Oktober unser Mitglied Gerd Beil aus Jena. Wir wünschen ihm viel Freude bei seiner wichtigen Aufgabe.
Unser Dank für die Umsetzung der Maßnahmen gilt vor allem Hans Kraußer, Volkmar Schmeißer, Roland Seime, Gerd Beil, Günther Oehmigen und all den ehrenamtlichen Helfern aus Jena und aus dem Landkreis.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender


Sichtbarer Klimawandel nach langjährigen Beobachtungen

Wir haben es wieder einmal in diesem heißem Sommer 2017 gemerkt, daß der Klimawandel ständig voran schreitet. Das ist das Ergebnis der Auswertung von jahreszeitlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzenwelt durch den Deutschen Wetterdienst.
Der DWD betreibt seit 1951 ein phänologisches Beoachtungsnetz mit über 2000 Stationen zur Beobachtung wild wachsender Pflanzen, landwirtschaftlicher Kulturen, von Obstgehölzen und Wein in Deutschland.
Hier die wichtigsten Erkenntnisse der 50 - jährigen phänologischen Beobachtungen in Deutschland:
Beobachtet wurde ein immer früheres Einsetzen von der Blattentfaltung und Blüte um 1,3 bis 3,1 Tage pro Dekade, also alle 10 Jahre. Beständige immer weitere Hinausschiebung der Herbstphasen wie die Blattverfärbung und Fallen der Blätter um 0,3 bis 1,6 Tage je Dekade.
Im Laufe der 50 Jahre hat es auch eine deutliche Erhöhung der Dauer der Vegetationszeit um mehr als 10 bis 12 Tage bei der Beobachtungszeit von 1951 und 2000 in Deutschland gegeben.

Und wie ist es hier vor Ort im Saaleholzland und in Jena:
Auch das frühzeitige Ablaichen von einigen Amphibienarten wie Bergmolch, Erdkröte und Moorfrosch um 2 bis 3 Wochen wie bei Stadtroda und Kahla im Saaleholzlandkreis beobachtet ist ein deutliches Zeichen für wärmere Winter. Auch die häufigere Überwinterung von Zugvögeln bzw. ihre vorzeitige Rückkehr sowie der Zuzug von wärmeliebenden Vogelarten sind ebenfalls Anzeichen einer Klimaverschiebung. Auch das frühzeitige Auftreten von Tagschmetterlingen bereits im März sowie der Rückgang einiger Arten von Bergorchideen in den Mittelgebirgen wie im Thüringer Wald und im Thüringer Schiefergebirge sind sichtbare Folgen des Klimawandels in Deutschland.
Mit dem Klimawandel haben auch die Extremwetterlagen wie lokale Starkregen, Stürme, rasche Temperaturwechsel, häufigere Überschwemmungen an der Saale und ihrer Nebenbäche und mehrfach auftretende Trockenperoden im Sommer und Herbst zugenommen. Zu diesen bereits in Gang befindlichen Umweltveränderungen, kommen noch weitere menschliche Eingriffe hinzu. Insbesondere die Überdüngung des Bodens, der Eintrag von Nährstoffen ins Grundwassers und in die oberirdischen Gewässer (Fließgewässer, Seen, Teiche und Tümpel) bergen zusammen mit den intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen
inkl. des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln und Pflanzenvernichtungsmitteln auch Risiken für die Tier - Pflanze - Interaktion. Das bedeutet u.a., dass die Synchronisation der Insekten als Bestäuber der Natur- und Nutzpflanzen gestört werden könnte, da die Aktivität blütenbesteubender Insekten wie beispielsweise der Bienen, Hummeln, Faltern Fliegen und Käfer vor allem durch den sich daraus ergebenden Temperaturwechsel, aber auch durch die Veränderung des Wasserhaushalts bestimmt wird und langfristig zum weiteren Rückgang der biologischen Vielfalt führen kann. Die aktuelle Rote Liste der bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Thüringen 2011 liefert dazu eindeutige Beweise.

Klaus Götze
Es war einmal...

Gedanken zur Artenvielfalt auf der Erde

Bei uns zuhause auf dem Dorfe hing in der Küche eine Fliegenklatsche an der Wand; ganz einfach ein bierdeckelgroßes Stück Leder mit einem Stöckchen durch einen Draht verbunden. Damit war es möglich, der vielen Stubenfliegen Herr zu werden. Heutzutage braucht man das nicht mehr! Fliegen sind selten geworden wie auch Hummeln, Wespen, Hornissen, Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und Spinnen. Mit unserer Zivilisation und dem Hang nach Ordnung haben wir alle dafür gesorgt,
dass weltweit die Artenvielfalt zurück geht. Die Ornithologen jammern, es gibt nur noch Dreiviertel der Vögel im Vergleich zu Anfang des 19. Jahrhunderts, die Botaniker meinen gar, dass fast ein Drittel der Pflanzen bei uns in Deutschland gefährdet sind und die Herpetologen gehen davon aus, daß bereits über 60% der Amphibien verschwunden sind. Von den Insekten gar nicht zu sprechen, da ist der Artenschwund atemberaubend und betrifft 80% aller Arten. Woran liegts? An der Landwirtschaft, am Verkehr, am Bauen und Versiegeln, am Lebensraumverlust. Nun, wahrscheinlich von allem etwas und wohl kaum einzudämmen. Die Welt hat mitlerweile über 7 Milliarden Menschen, die wollen erst mal mit Lebensmitteln versorgt sein und zu allem Überfluß werden noch Lebensmittel weltweit vernichtet.
Man denke nur an die Intensivlandwirtschaft mit der Anwendung von Pestiziden, Herbiziden und gespritztem Saatgut und an die wahnsinnige Fleischproduktion mit hohem Gülleaufkommen und Rückständen von pharmazeutischen Mitteln, das unser aller Wasser belastet. Wasser ist Gemeingut und muß geschützt und verteidigt werden, das geht jeden etwas an.

Helfe auch Du aktiv mit !
Jeder kann bei uns mitmachen zum Erhalt der biologischen Vielfalt in unserer Heimat.

Pflege von bunten Wiesen, Betreuung von Amphibienzäunen, Bau von Nisthilfen für Sing- und Greifvögel, Hilfe für Igel in der Igelstation, Schutz von Quellen und Fließgewässern, Pflege von Streuobst, Erhalt von Fledermausquartieren, Roden der Zackenschote, Bau von Insektenhotels, Mitarbeit bei der Naturschutzjugend, Exkursionen, Vorträge, Betreuung von Schutzgebieten, faunistische und floristische Kartierungen usw.

Klaus Götze, Ehrenamtsvorsitzender

   

Pestizide vernichten Arten auf Äckern und Fluren

Nach einer aktuellen europaweiten Studie der EU führen die auf Äckern und deren Umgebung aufgebrachten Spritzmittel zur massiven Reduzierung der Pflanzen und Tiere dieser Flächen.
Während auf einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1000 Arten vorkommen, sind es bei mit Pestiziden behandelten Äckern nur noch rund die Hälfte; also 500.
Für die Studie sind 150 Weizenfelder in Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Irland, Spanien, Polen, Estland und Frankreich untersucht worden.
Die Wissenschaftler haben die spezielle Lage der Felder, den Charakter der Landschaft, die Bodenbeschaffenheit, die Nähe zu anderen Biotopen und besonders die Art des Landbaus und des damit verbundenen Einsatzes verschiedener Geräte und Substanzen bewertet.
Das Resultat sei eindeutig, sagte Prof. Tscharntke von der Uni Göttingen: Der Hauptgrund für die Verringerung der Tier- und Pflanzenvielfalt sind Spritzmittel wie Pestizide und Fungizide. Vor allem Kleinsäugetiere, Schmetterlinge, Bienen, Hummeln sowie Laufkäfer und Vögel sind besonders betroffen, so berichtete Prof. Tscharntke.

Bei uns im Saale - Holzland - Kreis sind durch den jahrzehntelangen Einsatz von Spritzmitteln die Feldhamster ausgestorben sowie viele Ackerunkräuter vernichtet worden. Auch werden jedes Jahr vom NABU SHK immer weniger auf Äckern brütende Vögel wie Fasan, Wachtel und Feldlerche beobachtet. Kiebitz und das Rebhuhn brüten seit etwa 12 Jahren nicht mehr bei uns in der Flur. Auch die Jäger klagen! Hinzu kommen Rückgänge bei den Amphibien und der massive Rückgang der Insekten. Die Naturfreunde hoffen auf die baldige Umsetzung der neuen Düngemittelverordnung in der Landwirtschaft und auf Ackerrandstreifenprogramme.
Der NABU SHK e.V. wird sich auch weiterhin für den Erhalt der heimischen Flora und Fauna einsetzen und die Öffentlichkeit darüber informieren.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender NABU SHK e.V.


Vogelhochzeit im Stadtgarten

Erst mal eine Braut finden, so sagte es das Amselmännchen und fing schon im April in aller Frühe zu singen an. Bereits im Morgengrauen konnte jeder im Haus den melodischen Klang hören. Einige Tage später stimmten allmählich auch die anderen im und am Garten lebenden Singvögel ihre Paarungsgesänge an und dieses wunderschöne Konzert reichte bis in den Juni hinein. Verhört wurden Stieglitz, Amsel, Girlitz, Hausrotschwanz, Ringeltaube, Haussperling, Star, Schwanzmeise und die Kohlmeise. Die Weibchen hörten wohl gerne mit und suchten sich den besten Sänger heraus, um mit ihm eine Familie zu gründen für die Saison. Nicht alle diese Vogelarten, die uns mit ihrem Gesang verwöhnten, blieben hier im Garten, sondern die meisten Singvögel brüteten außerhalb, weil hier einfach nicht genug Platz und Quartiere für alle Vögel vorhanden ist. Aber unsere Amseln blieben im Garten und suchten sich ein sicheres Versteck zum Nestbau in der immergrünen Lebensbaumhecke an der nördlichen Gartengrenze. Beide Vögel bauten ein sehr atraktives Rundnest aus Gräsern und Federn sowie Moos. Die Heirat wurde dann vollzogen. Dann brütete das bestimmt "glückliche" Amselweibchen die 5 Eier geduldig aus. Bereits nach 14 Tagen schlüpften die Jungen, die immer Hunger hatten. Etwa 2 Wochen später, so Mitte Juni, wurden die Jungen flügge und flogen aus. Aber sie mußten gefüttert werden von den Eltern, die fleißig und unermüdlich Würmchen, Beeren, Raupen und Käfer suchten und verfütterten. Und das konnte jeder Bewohner miterleben, wenn er nur wollte !
Wir saßen auf der Bank und schauten zu wie das braun gefärbte Weibchen heruntergefallene Kirschen den Jungvögeln, die munter hinter ihr herwatschelten, verfütterte und das im Abstand von 1 bis 2 Meter neben uns. Auch das tiefschwarze Amselmänchen mit dem gelben Schnabel fütterte fleißig mit. Nach weiteren drei Wochen waren die beiden Jungvögel soweit, daß sie sich selbsständig ernähren konnten.
Gegen Ende Juni wurde sehr heiß und da haben wir eine kleine Tränke errichtet; dort wo jetzt die Sonnenblumen blühen. Und siehe da, nach nur einem Tag hatten unsere Amseln diese Oase entdeckt. Und dann wurden wir überrascht von der Anpassungsfähigkeit der Amsel. Das Amselmännchen lief unter den Autos durch, kam kurz hinter dem Standort der Vogeltränke durch den Gitterzaun gehüpft und lief zur Tränke, labte sich am Wasser und benetzte sein Gefieder, guckte uns an und verschwand nach ein paar Minuten wieder so wie es gekommen war - also unter den Autos, wo es ja Schatten gab !
Charles Darwin läßt grüßen - die Anpassung der Vogelarten an ihre spezielle Umwelt ist wieder mal bewiesen ! Mal sehen was der Sommer noch so bringt !

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender NABU SHK e.V.


Fragen zu diesem Thema an uns:

Baumschutz - Rechtliche Grundlagen

Schutzstatus von Bäumen

Die Grundlage des gesetzlichen Schutzes von Bäumen bildet das Bundesnaturschutzgesetz. In § 1 "Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege" heißt es, dass Natur und Landschaft aufgrund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen zu schützen sind, damit die biologische Vielfalt, Eigenart und Schönheit unserer Natur und der Landschaft gesichert sind; auch für die folgenden Generationen. Das schließt selbstverständlich Pflege, Entwicklung und Wiederherstellung von Natur und Landschaft mit ein.
Jeder kann sich dafür einbringen, so steht es im § 2 BNatSchG.
Soweit es um Bäume geht, also auf Parkanlagen, Grünanlagen und an Waldrändern, um Einzelbäume und Gehölze, gilt dieser Schutz unmittelbar !
Welchem gesetzlichen Schutz der einzelne Baum untersteht ist davon abhängig, ob der Baum im Geltungsbereich einer Baumschutzsatzung steht, in einem B - Plan festghesetzt ist, ein Naturdenkmal ist, etc.
Eines ist aber bei allen gesetzlich geschützten Bäumen gleich: Fällungen oder mutwillige Beschädigungen ohne Genehmigung sind rechtswidrig und können ordnungsrechtlich geahndet werden mit Geldbußen bis zu 200.000 Euro !! So steht es in § 69 Abs. 3 Nr. 1 und § 13 BNatSchG und § 213 Abs. 1 Nr. 3 BauGB.

Wir beraten Sie kostenlos bei allen Fragen des Baumschutzes !

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender Tel: 03641 / 3167690
Vogelbruten bis Mitte Juni 2017 im Landkreis

Durch unsere vogelkundigen Mitglieder Jürgen Till aus Kahla und Günther Oehmigen aus Eisenberg wurden Mitte des Monats Juni die Nistkästen in den Kirchen Hainichen, Isserstedt und Schöngleina kontrolliert. Leider konnten wir nur in Isserstedt und Schöngleina nachschauen, während die anderen Türme der Kirchen wegen Abwesenheit der Pfarrer verschlossen waren. In Schöngleina wurde 1 Brutpaar Dohlen festgestellt. Der Höhepunkt war in Nerkewitz, wo in einem Nistkasten erst
1 Brutpaar Dohlen ihren Nachwuchs aufzog und gleich danach brütete eine Nilgans. Das war schon ungewöhnlich und wir waren begeistert !
Auf dem TÜP Rothenstein konnte wir erfolgreiche Bruten von Pirol, Grauammer und Braun- und Schwarzkehlchen sowie vom Wendehals und Neuntöter feststellen. Auch der Wiesen- und Baumpieper wurden beobachtet. Leider konnte kein Brutnachweis von Rebhuhn erbracht werden, obwohl vom Biotop her optimale Lebensräume vorhanden sind. Wir gehen davon aus, daß durch die frei laufende Hunde die Tiere vergrämt wurden. Bereits seit mehr als fünf Jahren fehlen die Feldhühner im Schutzgebiet.
Beobachtungen im Jenaer Stadtgebiet zeigen, daß nur wenige Mauersegler und Mehlschwalben am Himmel bis zum 21. Juni zu beobachten waren. Im Durchschnitt konnten nicht mehr als ein halbes Dutzend dieser Vogelarten beobachtet werden. Hingegen Hausrotschwanz, Stieglitz und Kohlmeise sowie sogar der Buchfink brüten in den Gärten in Jena - West.

Jürgen Till, Günther Oehmigen


Foto: Dr. Jochen Eislöffel


Antwort auf Petition nach 18 Monaten - und nichts wird sich zur Nitratproblematik ändern

Antwortschreiben (.pdf Datei)
Das Osterwasser

Osterwasser, geschöpft aus heiligen Quellen, gehörte bereits in vorchristlicher Zeit zu den heidnischen Bräuchen der Menschen auch in Thüringen.
Wasser ist das Symbol der Reinheit und Fruchtbarkeit. Deshalb schöpften die jungen Mädchen in der Nacht vom Ostersonnabend zum Ostersonntag vor Mitternacht das Quellwasser schweigend. Das Schweigen durfte nicht gebrochen werden, damit das Wasser seine Segens- und Heilkraft behielt. Es darf ein kein Tropfen aus dem Krug vergossen werden oder auslaufen.
Dieses Wasser, dann am Morgen des Ostersonntages getrunken, soll ein ganzes Jahr vor Krankheiten und anderem Unglück schützen.
Noch heute werden zur Verehrung des Wassers in den Dörfern auch im Saaleholzlandkreis Brunnen und Quellen bunt geschmückt; so wie in Naschhausen, Bad Klosterlausnitz, Großlöbichau und Großbockedra.

Euer Klaus
Amphibienschutz 2017 - 2800 m Schutzzäune vom NABU SHK installiert !

Am Sonnabend, dem 11. März, haben wir den Amphibienschutzzaun im Rotehofbachtal aufgebaut und uns sehr über die vielen Helfer, die uns bei der ehrenamtlichen Arbeit unterstützt haben, gefreut. Vor allem die Sielmannranger unter der Anleitung ihres Führers Horst Ertel aus Jena waren nicht nur ein große Hilfe, sondern auch Lernende, die mit Eifer und Lust die Zäune unter Anleitung unserer Männer um Volkmar Schmeißer mit installierten. Zu so einem frühen Zeitpunkt haben wir die Schutzzäune mit einer Gesamtlänge von 2800 m, über 4 km verteilt, noch nicht aufgebaut.
Selbst die Vorwitzigsten unter den Frühlaichern können damit erfaßt werden. Unsere Helfer müssen ab heuer jeden Morgen nund jeden Abend die über 200 Eimer leeren und die einzelnen Tiere nach Art erfassen und registrieren.
Wir hoffen, dass die Autofahrer Rücksicht auf unsere freiwilligen Helfer nehmen und vom Gas gehen.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender
Bilder: Horst Ertel, Jena
 
 
 
 

Natur pur: Energiewunder Baum kommt nach der Winterruhe wieder in Fahrt

Bereits ab Mitte März mit der wärmenden Sonne und den immer länger werdenden Tagen vermehren sich die Anzeichen dafür, dass die Zeit der kahlen Äste nun bald vorbei sein wird.
Weiden und Erlen sowie Hasel treiben und deren Pollen sind oft die einzige Nahrung der Königinnen von Hummeln und Bienen für den Beginn ihrer Brut zum Aufbau des neuen Insektenstaates für dieses Jahr.
Kaum später und ebenfalls vor dem Laubaustrieb blühen bald die Schlehen und die Kornelkirschen. Dann folgen mit schwellenden Knospen die Eberesche, Kastanie, Birke, Lärche, Holunder, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Traubenkirsche und Berberitze. Wochen später dagegen sind die Lindenarten, die recht unterschiedlich austreibenden Rotbuchen, die Eichen und die Eschen und ganz zuletzt begrünt sich recht zaghaft die mit unserem Klima noch immer nicht so recht vertraute Robinie, auch falsche Akazie genannt.
Die Bäume fahren ihren Stoffwechsel im Frühjahr erst dann an, wenn es eine Zeitlang wärmer draußen ist. Dazu nehmen sie über ihre Wurzeln wieder mehr Wasser auf und mobilisieren gleichzeitig Reservestoffe, die im Wurzelsystem aber auch im Stamm und den Ästen im letzten Jahr gespeichert wurden. Aus diesen Stoffen werden im Frühling die ersten Blätter gebildet und die vor dem Laubaustrieb erscheinenden Blüten. Erst wenn die grünen Blätter ausgebildet und sich die Photosynthese in Gang setzt und selbst aus dem Kohlendioxyd der Luft wieder Zucker, Stärke, Eiweiße und ähnliche Verbindungen hergestellt werden, braucht der Baum nicht mehr auf seine Speicher zurückzugreifen. Ein Quadratmeter Blattfläche produziert stündlich etwa 1 Gramm Zucker, eine große Buche pro Sommer etwa 1,5 Tonnen. Als Nebenprodukt entsteht der Sauerstoff, den die Tiere und Menschen als lebensspendendes Element benötigen. Der Sauerstoff von einem Baum reicht aus, um eine 5 - köpfige Familie mit dem lebensnotwendigen Wundergas zu versorgen!

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender
Klaus Götze
Freiberuflicher Hydrogeologe
Semmelweisstraße 14
07743 Jena

Thüringer Landtag
Präsident
Herrn Christian Carius
Jürgen-Fuchs-Straße 1
99098 Erfurt

Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Thüringen

Sehr geehrter Herr Landtagspräsident,

hiermit bitte ich Sie um Hilfe in folgender Angelegenheit:
Im September 2015 habe ich im Namen des NABU Kreisverband Saale-Holzland-Kreis e.V. eine Petition an den Petitionsausschuss des Thüringer Landtags gesendet.

Thema: Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Thüringen

Bis zum heutigen Tag habe ich keine Antwort auf meine Anfrage erhalten, obwohl mittlerweile offiziell die Bundesrepublik Deutschland und damit auch das Land Thüringen 1 Milliarde Euro Strafe für die Nichteinhaltung der WRRL an die EU zahlen muss.
Ich bitte sie Ihren Einfluss geltend zu machen, damit baldigst eine Klärung oder eine Antwort an mich erfolgt. Ich bin gern bereit, Ihnen fachlich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Götze


Forderungen des NABU:

Das Problem kann nur gelöst werden, wenn das Land Thüringen in Zusammenarbeit mit dem Bund eine nationale Stickstoffverhinderungsstrategie erarbeitet. Diese Strategie ergibt sich auch aus den Prämissen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und aus der Nationalen Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt.
Aus unserer Sicht sind folgende Schwerpunkte zu setzen:

1. Als Leitgröße muss ein noch zu akzeptierender Gesamteintrag von reaktivem Stickstoff für Deutschland festgelegt werden. Dieser berücksichtigt die verschiedenen Ökosysteme, die pedologischen Standortverhältnisse und die Gewässersysteme.

2. Zur Ermittlung der Leitgrößen für Stickstoff sind alle zur Verfügung stehenden Daten länderbezogen auszuwerten und zusammen zu führen.

3. Die Einträge aus der Landwirtschaft müssen durch eine lautere EU-Agrarpolitik drastisch reduziert werden. Bei Halbzeit der EU-Förderperiode in 2017 muss das unbedingt erfolgen!

4. Die ökologische Landwirtschaft ist deutlich mehr zu fördern und zu subventionieren, um endlich Ansätze zur Stickstoffreduzierung im Bundesgebiet zu schaffen.

5. Die Düngeverordnung als zentrales Instrument für die spürbare Minderung der Stickstoffeinträge muss reformiert werden.
Schwerpunkte:
- Einbeziehung organischer Düngemittel inkl. Gärreste aus Biogasanlagen
- Ausbringung begrenzen und strengere Anforderungen an die Technik zur Ausbringung der Dünger
- Einführung der Hoftorbilanz für jeden Landwirtschaftsbetrieb
- Ordnungsrechtliche Maßnahmen
- Einführung einer Stickstoffüberschussabgabe

6. Verstärkter Schutz von Trinkwasserschutzgebieten und von Naturschutzgebieten inkl. FFH-Gebieten

7. Verringerung der Einträge in Hot-Spot-Regionen

8. Schrittweise Änderung des Lebensmittelkonsums

Durch die Änderung des Konsumverhaltens lassen sich Stickstoffüberschüsse ausreichend verringern. Der moderne hohe Konsum an tierischen Produkten sollte gesenkt werden und der Preis sollte erhöht werden. Ohne öffentliche Verbraucherinformationen sind diese neuen Konsummuster kaum zu beeinflussen.

Fazit:
Wir erwarten von der Thüringer Landesregierung und den nachgeordneten Ministerien endlich Aktivitäten zur Reduzierung der hohen Nährstoffeinträge in die Gewässer, Böden und Ökosysteme.


Kommission verklagt Deutschland, und damit auch Thüringen, vor dem Gerichtshof der EU wegen Gewässerverunreinigung durch Nitrat

Deutschland wegen Wasserverschmutzung und Nitrat vor Gericht.

Die Europäische Kommission verklagt Deutschland vor dem Gerichtshof der EU, weil es versäumt hat, strengere Maßnahmen gegen die Gewässerverunreinigung durch Nitrat zu ergreifen. Nitrat ist für das Wachstum von Pflanzen von entscheidender Bedeutung und wird häufig als Düngemittel eingesetzt. Allerdings führen überhöhte Mengen zu starken Wasserverunreinigungen mit entsprechenden Folgen für die menschliche Gesundheit, die Wirtschaft und die Umwelt. Der heutige Beschluss folgt auf eine mit Gründen versehene Stellungnahme, die den deutschen Behörden im Juli 2014 übermittelt wurde.
Die von Deutschland zuletzt im Jahr 2012 übermittelten Zahlen sowie mehrere Berichte deutscher Behörden aus jüngster Zeit zeigen eine wachsende Nitratverunreinigung des Grundwassers und der Oberflächengewässer, einschließlich der Ostsee.
Trotz dieser Entwicklungen hat Deutschland keine hinreichenden Zusatzmaßnahmen getroffen, um die Nitratverunreinigung wirksam zu bekämpfen und seine einschlägigen Rechtsvorschriften entsprechend den für Nitrat geltenden EU-Vorschriften zu überarbeiten (Richtlinie 91/676/EWG des Rates). Da die Kommission der Auffassung ist, dass die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrat auch im Rahmen der laufenden Überarbeitung des nationalen Aktionsprogramms nicht ausreichend angegangen wird, hat sie beschlossen, Deutschland vor dem Gerichtshof der EU zu verklagen.

Hintergrund:
Die Nitratrichtlinie (Richtlinie 91/676/EWG des Rates vom 12. Dezember 1991) hat zum Ziel, die Wasserqualität in Europa zu verbessern, indem die Verunreinigung von Grund- und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verhindert und der Einsatz beispielhafter landwirtschaftlicher Verfahren gefördert wird. Die Mitgliedstaaten müssen ihre Gewässer überwachen und jene bestimmen, die durch Verschmutzung bedroht sind. Des Weiteren müssen sie geeignete Aktionsprogramme einrichten, um derartige Verunreinigungen zu verhindern und zu verringern. Die Richtlinie stellt einen wesentlichen Bestandteil der Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2000/60/EG) dar und ist eines der Schlüsselinstrumente für den Schutz der Gewässer vor Belastungen durch die Landwirtschaft.
Überhöhte Nitratwerte können das Süßwasser und die Meeresumwelt schädigen, indem sie Algenwachstum begünstigen und dadurch anderes Leben ersticken. Dieser als Eutrophierung bezeichnete Prozess hat eine gravierende Verschlechterung der Wasserqualität und einen Verlust an biologischer Vielfalt zur Folge. Eine Nitratkonzentration von über 50 mg/l kann erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung, insbesondere auf schwangere Frauen und Kleinkinder, haben. Die Entfernung von Nitrat aus Trinkwasser ist sehr kostspielig; sie wird vor allem durch Haushalte und Behörden finanziert.

Weitere Informationen:
- ausführliche Darstellung der wichtigsten Beschlüsse in Vertragsverletzungsverfahren im April 2016: MEMO/16/1452
- zu Vertragsverletzungsverfahren im Bereich Umwelt
- Vertragsverletzungsverfahren allgemein: MEMO/12/12
- Informationen über Vertragsverletzungsverfahren
15 JAHRE Bestehen des NABU SHK e.V. !

Wir sind stolz auf unsere Erfolge!
In den Monaten Mai und Juni sind wieder botanische und ornithologische Exkursionen geplant, die von erfahrenen Fachexperten aus den eigenen Reihen geleitet werden. An diesen Exkursionen können Mitglieder des NABU und Naturfreunde aus nah und fern teilnehmen. Daneben wollen wir uns wieder dem Arten- und Biotopschutz in unserem Landkreis widmen. Schwerpunkte bilden hier die Orchideenwiesen auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Rothenstein.
Die Kindergruppe NAJU Rothenstein trifft sich jeden Monat in der alten Schule in Rothenstein und sucht noch Kinder und Eltern, die mitmachen möchten. Betreut werden die Kinder von jungen Leuten aus unseren Reihen, die den Kindern über Spiele, Basteln und Wanderungen mit der Natur vertraut machen.
In den Herbst- und Wintermonaten finden Vorträge zu Themen des Biotop- und Artenschutzes jeden letzten Freitag im Monat im Vereinszimmer des Gasthauses "Goldenes Schiff" in Maua statt. Die Exkursionen und Vorträge sind kostenfrei. Spenden werden aber gern entgegengenommen und finden Verwendung für die Pflege und den Erhalt der Naturschutzgebiete.