Beiträge Klima ⁄ Landnutzung


Ist das Nachhaltigkeit?

Dieser Begriff ist alt und kommt aus der Forstwirtschaft, denn schon vor 300 Jahren hatte ein Forstrat angewiesen, dass nur soviel Holz entnommen werden soll, wie nachwachsen kann, so dass der Wald nie ganz abgeholzt wird, sondern sich immer wieder regenerieren kann. Das ist immerfort aktuell, wird aber oft in unserer Region missachtet. Denken wir nur an die Abholzungen im FFH - Gebiet Tautenburger Forst, im Naturschutz Totalreservat Isserstedter Holz, oder der Frevel an den Albersdorfer Buchen. Doch auch mit anderen Umweltgütern wird achtlos umgegangen. Immer noch werden neue Straßen gebaut, Industriegebiete aus dem Boden gestampft, wie in Bollberg auf über 140 Hektar, die keiner mehr braucht. Dadurch gehen fruchtbare Mutterböden verloren, auf denen die Landwirte pflanzliche Lebensmittel für unsere Ernährung produzieren. Oder denken wir an die vielen ungenutzten lokalen Grundwasservorkommen, wie Quellen und Brunnen, die vom Fernwasser abgelöst wurden.
Aber auch die intensive Landbewirtschaftung hat es in sich, denn durch sie sind im Landkreis die Feldhamster ausgestorben, die Kiebitze verschwunden und die Rebhühner sehr selten geworden. Auch von den Feldlerchen kommen jedes Jahr immer weniger zurück, weil ihre Lebensräume immer kleiner werden. Ackerwildkräuter sind selten geworden in der Flur und auch die alten Streuobstwiesen verschwinden immer mehr und damit ein Stück Kulturlandschaft. Die Fließgewässer wie die Saale zwischen Orlamünde und Camburg sind reguliert und verbaut und machen es den Wanderfischen wie dem Aal nicht leicht, in ihre angestammten Laichgewässer zu gelangen. Auch werden jedes Jahr radikal Gebüsche und Bäume an Gewässern gerodet wie an der Saale bei Rothenstein, im Gleistal bei Löberschütz, im Rotehofbachtal und in Reinstädt.
Wo bleibt das Prinzip der Nachhaltigkeit im Denken und Handeln?
Da sind wir als NABU Verband schon lange weiter, wir tun etwas in der Natur zum Erhalt der Artenvielfalt. Ob es reicht? Nun, wir wissen es nicht, aber wir machen es trotzdem zum Wohle der Allgemeinheit!

Christiane Steinhardt, Schatzmeisterin
Die Entwicklung des Klimas im Laufe der Erdgeschichte

Globale historische Betrachtungen

Unsere Erde ist rd. 4,5 Milliarden Jahre alt und ihre Atmosphäre besteht aus 78 % Stickstoff, 21 % Sauerstoff und 1 % Spurengasen wie Helium und Kohlendioxid. Sauerstoff, Kohlendioxid und Wasser bilden die wesentlichen Grundlagen zur Entwicklung der Biosphäre. Erst die Existenz des Sauerstoffs läßt die Entwicklung höheren Lebens zu, da dieses Atmung voraussetzt. Die Uratmosphäre war zu Anfang der Erdentwicklung reduzierend, wie durch nicht oxidierte Bändereisenerze belegt ist. Woher stammt nun der Sauerstoff in der Atmosphäre? Aus der Fotosynthese, denn im Prozeß der oxigenen Fotosynthese reagieren Kohlendioxid und Wasser und wandeln diese mit Hilfe des Sonnenlichts zu freiem Sauerstoff und Kohlehydraten um. Wären Fotosynthese und Atmung die einzigen steuernden Prozesse des Sauerstoffgehaltes in der Atmosphäre, dann müssten jedem Glucose - Äquivalent der lebenden Biomasse sechs Sauerstoffmoleküle entsprechen. In Wirklichkeit ist aber die atmosphärische Sauerstoffkonzentrati on um ein vielfaches höher als bei dieser einfachen Bilanz zu erwarten wäre. Die Ursache liegt im Kohlenstoff-kreislauf. Jährlich wird zwar ein prozentual kleiner, mengenmäßig aber nicht unerheblicher Anteil der abgestorbenen organischen Biomasse wie Laub, Astfall, Tierkadaver sowie Plankton nicht zu Kohlendioxid zersetzt, sondern in Lockergesteinen sedimentiert, die mächtige Ausmaße erreichen können. Aus dieser Biomasse sind im Laufe der Erdgeschichte in fast allen Epochen mit hoher Produktivität der Biomasse Kohle, Erdgas und Erdöl entstanden. Das wiederum bewirkte die zusätzliche Anreicherung von Sauerstoff in der Atmosphäre. Bei der Atmung, der oxidativen Zersetzung der Biomasse wird dieser Prozeß umgedreht. Aus Zucker und Sauerstoff entstehen wieder Kohlendioxid und Wasser, ein ewiger Kreislauf in der Natur.
Die Entstehung einer oxidativen Atmosphäre vor etwa 2 Milliarden Jahren durch die oxigene Fotosynthese hat nicht nur die Evolution von höheren (eukaryotischen) Lebensformen ermöglicht, sondern auch die abiotischen geologisch - geochemischen Prozesse auf der Erde grundlegend verändert. Verwitterung, Erosion und der Gesteinskreislauf werden durch die jetzt herrschenden Oxidationprozesse beschleunigt. Als Folge treten kontinentale Rötsedimente auf, deren Färbung auf oxidiertes Eisen zurückgeht. Nimmt also die Fotosynthese und damit die Biomasse zu, so wird dadurch der Atmosphäre Kohlendioxid entzogen. Da Kohlendioxid den Treibhaus-effekt steigert, hat jede Veränderung dieser Faktoren auch Klimaänderungen zur Folge. Je intensiver die Verwitterung ist, umso niedriger ist auch die Kohlendioxid-konzentration in der Atmosphäre. Bei hoher vulkanischer Tätigkeit steigt wiederum die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre und damit der Treibhause ffekt.
Bereits vor 600 Mio Jahren war die Erde fast vollständig von Eis bedeckt mit Gletschern, die fast bis zum Äquator reichten. Das war die "Snowball Earth", deren Spuren heute noch vorhanden sind.
Für die letzten 500 Millionen Jahre läßt sich aus dem heutigen Wissen um die geologische Entwicklung der Erde die natürliche Dynamik des Kohlendioxidgehaltes der Atmosphäre in wesentlichen Zügen nachvollziehen.
Zwischen etwa 570 und 420 Mio Jahren lag der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre rd. 10 bis 20 - mal höher als in der heutigen Zeit und daher herrschte Treibhaus-klima rund um den Erdball ohne Polkappen. Vor etwa 420 Mio Jahren begann die Besiedlung des Festlandes durch Pflanzen und folglich eine ständig wachsende Biomasse und Intensivierung der Verwitterungsprozesse mit sinkenden Kohlendioxidkonzentrationen. Höhepunkt dieser Entwicklung war vor rd. 300 Mio Jahren im Karbon die Bildung von mächtigen Erdöl, Erdgas und Kohlelagerstätten. Damals entsprachen die Kohlendioxidkonzentrationen etwa dem heutigen Niveau. Die Folge der planetaren Festlandsbesiedlung ist somit ein sinkender Treibhauseffekt und es kommt zu Ende des Karbon zum Einsetzen einer Eiszeit (Permokarbonvereisung) vor allem auf der Südhemisphäre. Ab der Zeitspanne vor 250 Mio Jahren steigt der Kohlendioxidgehalt in Verbindung mit vulkanischen Tätigkeiten wieder an, der mit intensiven und ausgedehnten plattentektoni schen Bewegungenzusammenhängt und warme Klimaverhältnisse sind vorherrschend.
Zwischen 240 Mio Jahren und 30 Mio Jahren entwickelt sich daher wieder überwiegend ein Treibhausklima. Unser heutiges Eishausklima mit bipolaren Eiskappen, der Arktis und Antarktis, und erdgeschichtlich betrachtet relativ geringen Kohlendioxidkonzentrationen, entstand demnach erst in den letzten 30 Mio Jahren, vermutlich durch plattentektonische Bewegungen und den damit einhergehenden vulkanischen Tätigkeiten, mit den sich während dieser Zeit bildenden und heraushebenden großen Faltengebirgen wie den Alpen, den Rocky Mountains, den Anden und des Himalaja bei gleichzeitig hoher Verwitterungsintensität und Abtragung der Gesteine.
Auch die Klimaentwicklung der letzten 100.000 Jahre läßt sich mit hoher Genauigkeit nachvollziehen. Perioden scheinbarer Stabilität wechseln mit abrupten und empfindlichen Kälteeinbrüchen oder Erwärmungen. Daher ist es sehr wohl möglich, daß das scheinbar stabile atmosphärische Gleichgewicht aus den Fugen gerät. Interessanterweise beobachtet man gleichzeitig mit diesen Ereignissen auch Anomalien im Kohlenstoffkreislauf, in den nun der Mensch seit der Industriealisierung, zu Anfang des 19. Jahrhunderts, sehr drastisch eingreift. Durch die Eingriffe des Menschen hat sich die Kohlenstoffkonzentration von 280 ppm (parts per millon - Teile von einer Million) vor der Industriealisierung Ende des 18. Jahrhunderts auf 391 ppm bis 2008 erhöht. Jährlich werden ca. 31,5 Mia Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre emittiert.
Die Sonne ist der Energielieferant für das Erdklima. Nach den derzeitigen Erkenntnissen nimmt zwar die Strahlungsintensität bei erhöhter Sonnenaktivität um 0,1 % zu, doch das ist zu gering, um sich unmittelbar auf das Klimageschehen auszuwirken. Die Klimatologen gehen davon aus, daß nur etwa ein Zehntel der Erwärmung seit Beginn der Industriealisierung durch die Sonneneinstrahlung verursacht wird. Die derzeitige schwache Sonne bremst hingegen den Klimawandel und könnte die globale Erwärmung leicht abschwächen (Institut für Klimafolgeforschung Potsdam, 2010). Was hat aber die Eiszeiten hervor gerufen?
Als Ursachen der Abkühlung seit dem Pliozän vor rd. 2,5 Mio Jahren mit Auftreten von mehreren Kaltzeiten werden derzeit vor allem Änderungen der Erdbahn-geometrie diskutiert. Sie ändern die Form der elliptischen Erdbahn um die Sonne mit einer Periode von etwa 100.000 Jahren und die Neigung der Erdachse zur Umlaufbahn mit einer Periode von etwa 40.000 Jahren (Schiefe der Ekliptik). Damit lassen sich auch die zeitlichen Abstände der letzten drei Eiszeiten erklären. Elsterkaltzeit 480.000 vor heute bis 350.000 vor heute; Saalekaltzeit 200.000 bis 150.000 vor heute; Weichselkaltzeit 70.000 bis 10.300 vor heute (Radioaktive Datierung nach BRINKMANN, 1991).


Warm- und Kaltzeiten im Wandel der Neuzeitgeschichte

Bereits vor ca. 6.000 Jahren waren die Abschmelzprozesse der globalen amerikanischen und eurasischen Eisschilde abgeschlossen (Niedersächsisches Institut für Küstenforschung 2003). Der Klimawandel der letzten 6.000 Jahre wird von den meisten Klimaforschern auf die Schwankungen der Erdbahnparameter Exzentrizität, Schiefe der Ekliptik und Präzession (sog. Milankovitch - Forcing) und der Verlagerung des sommerlichen Sonneneinstrahlungsmaximum von der Nord- auf die Südhalbkugel zurückgeführt. Nach Modellrechnungen ist es aber auch möglich, daß der Einfluß solarer Aktivitätsmaxima in Verbindung mit tropischen Vulkan-explosionen zu längeren Abkühlungphasen in Form der sog. "Kleinen Eiszeit", zwischen 1350 und 1860 führte. Wärmere Phasen könnten durch verminderte Solaraktivität mit geringen vulkanischen Tätigkeiten hervorgerufen worden sein. Sichere Beweise für die Ursachen der letzten Warmphasen und Kältezeiten gibt es nicht! Nur der deutliche Anstieg der Kohlendioxidge halte in den letzten 150 Jahren und die damit verbundene Erwärmung durch die Anreicherung des CO2 in der Erdatmosphäre ist klar sichtbar und durch die industrielle Revolution verursacht.
Von 0 - 150 n. Chr. gab es in Europa eine Warmzeit in der Blüte des Römisches Reiches. Danach kam eine lange Kälteperiode etwa von 150 - 500 n. Chr., die die Völkerwanderung in Europa auslöste. Zwischen 600 - 1350 n. Chr. gab es eine ausgedehnte Warmzeit, in der Grönland und Island eisfrei waren und die Wikinger diese Nordinseln besiedelten und bis zur Ostküste Nordamerikas vorstießen. Danach kam die bei uns am besten bekannte "Kleine Eiszeit" von 1400 - 1860 n. Chr.,
die für die Menschen in Mitteleuropa Missernten und Hungersnöte brachte. Ab 1860 n. Chr. kam mit der technischen Revolution wieder eine Warmzeit mit globalen Ausmaßen.

Das Klima in Thüringen

Durch seine zentrale Lage innerhalb Deutschlands liegt Thüringen im Übergangsbereich zwischen dem kühlfeuchten, atlantisch geprägten Klimabereich im Westen und dem trockenen, osteuropäischen Kontinentalklima. Vor allem in den Wintermonaten Januar bis März überwiegen atlantische Tiefausläufer mit Regen und Sturmböen, während in den Sommer- und Frühherbstmonaten August, September und Oktober osteuropäische Hochdruckzonen mit Schönwetterperioden unser Klima prägen. Dazwischen gibt es fließende Übergänge. Im Zentrum Thüringens liegt das Thüringer Becken, das nach Norden, Westen und Süden durch Mittelgebirge weit überragt wird; Harz, Dün, Thüringer Wald und Thüringer Schiefergebirge bilden Gebirgsmauern sowie Wetter- und Wasserscheiden und schützen die Randgebiete und das Thüringer Becken gegen heftige und regenschwere Seewinde, während nach Osten offene Korridore für die trockenwarmen Luftströme aus den Steppen Osteuropas existieren. Diese einmalige Lage in Europa ist auch verantw ortlich für die Zonierung der Temperaturen, Niederschläge und der Vegetation.
Durch die vorhandenen Mittelgebirge mit den ihnen vorgelagerten Tälern, Wäldern und Ebenen entstehen regionale Windsysteme mit den damit verbundenen Luv- und Leeeffekten. So wundert es nicht, daß im zentralen Thüringer Becken die Jahresmitteltemperatur 8,7 °C beträgt und im Thüringer Wald zwischen 5 °C und 6 °C liegt. Die geringsten Niederschläge fallen im nördlichen Bereich des Thüringer Beckens mit weit unter 500 mm im Jahr, während auf den Kammlagen des Thüringer Waldes 900 bis 1200 mm pro Jahr fallen; auf dem Brocken sogar 2000 mm! Während für die über 800 m reichenden Höhenlagen die eigentliche Vegetationsperiode nur etwa 100 Tage dauert, liegt sie im Zentrum des Thüringer Beckens bei 200 Tagen, also doppelt so lang. Zwischen den Landschaftsräumen liegen oft nur 30 bis
40 m Luftlinie. Hinzu kommen extreme Trockenperioden vor allem im Thüringer Becken mit oft weniger als 30 bis 40 mm Regen in der Vegetationszeit mit der Austrocknung von Gewässern und Böden sowie einer extremen Sonneneinstrahlung. Auf Grund dieser, sich auf engem Raum verändernden klimatischen Bedingungen bildet Thüringen innerhalb Deutschlands ein einzigartiges Klimamosaik mit vielen kleinklimatischen Besonderheiten. Kahla, Jena und Dornburg liegen im mittleren Saaletal, das jährlich kaum mehr als 560 bis 580 mm Niederschläge erhält bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,4 °C (Sommer 13,8 °C; Winter 2,3 °C). Damit gehört diese Region zu den wärmsten in ganz Deutschland.
Nach Angaben der TLUG (2004) hat sich in den letzten 50 Jahren sowohl die Temperatur als auch der Niederschlag verändert. Zitat: "Der Jahrestrend der letzten 50 Jahre zeigt eine allgemeine Temperaturzunahme in den Mittelgebirgen von geringen 0,4 °C gegenüber 1,2 °C im Thüringer Becken. Im Thüringer Wald Niederschlags-zunahme, im Thüringer Becken und Teilen Ostthüringens Niederschlagsabnahme". Hier werden nur prozentuale Angaben gemacht, weil lokalklimatische Faktoren genaue Zahlenangaben nicht zulassen. Einer etwa 20 prozentigen Regenzunahme in den Mittelgebirgen steht eine ebenso hohe Abnahme im Thüringer Becken entgegen. Nach der Regionalen Klimadiagnose Thüringen (2004) haben sich folgende Klimaparameter verändert:

- allgemeine Temperaturzunahme, im Mittelgebirge geringer, im Thüringer Becken am größten
- Erwärmung in allen Jahreszeiten, außer im Herbst
- im Thüringer Wald Niederschlagszunahme, im Thüringer Becken und Teilen Ostthüringens Niederschlagsabnahme
- Niederschlagszunahmen im Herbst und Winter, Niederschlagsabnahmen während der gesamten Vegetationszeit am stärksten von April bis Juni
- Zunahme der Sonnenscheindauer und Globalstrahlung in ganz Thüringen, außer im Herbst
- Abnahme von Tagen mit Schneedecke
- Zunahme der Verdunstung
- positive Wasserbilanz in den Westthüringer Mittelgebirgen, negative Wasserbilanz in Ostthüringen

Diese Aussagen basieren auf einer Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen und geben die aktuelle Situation wieder.
Was besagen die Untersuchungen des NABU SHK e.V.?
Nach den Klimadaten von Jena, Meßstation Schillergäßchen, 155 m ü. NN, 11° ö. L., 50° 55' n. B.

Monatssummen Lufttemperatur: 1901 - 1930: 8,7 °C
  1930 - 1960: 9,0 °C
  1960 - 1990: 9,3 °C

Damit wurde es in 90 Jahren 0,6 °C wärmer.
Wärmster Monat war der Juli mit 17,8 °C in der Dekade bis 1931, mit 18,4 °C bis 1960 und mit 18,2 °C bis 1990. Hier läßt sich eine Erhöhung um 0,4 °C feststellen.

Monatssummen der Niederschläge: 1901 - 1930: 561,4 mm
  1930 - 1960: 601,3 mm
  1960 - 1990: 586,5 mm

Auch hier läßt sich eine Erhöhung der Niederschlagstätigkeit bis in die Mitte des Jhd. belegen, die sich im Zeitraum bis 1990 abschwächt, aber nicht wieder das ursprüngliche Niveau erreicht und in den neunziger Jahren, nach Auswertungen vorliegender Niederschlagsdaten der Meßstation Schillergäßchen Jena, leicht ansteigt. Nach mündlicher Mitteilung von Prof. Dr. Kluge, langjähriger Verantwortlicher für die Jenaer Klimastation, haben die Niederschläge seit Mitte der neunziger Jahre bis Mitte des ersten Jahrzehnts nach der Jahrtausendwende zugenommen, aber auch extreme Trockenjahre, wie 2003 und 2006, wurden beobachtet. Die Klimamilderung in unserer Region Jena / Saale - Holzland führte zu einer geringfügigen Verlängerung der Vegetationsperiode, verstärkt auftretender Starkregen, milderer Winter und trockener Perioden zu allen Jahreszeiten. Hinzu kommen seit Ende der achtziger Jahre verstärkt Hochwässer an der Saale und ihren Nebenflüssen (1988, 1994, 2002, 2004, 2008, 2011).
Die durch die Jenaer Klimastation exakt gemessene Erwärmung um plus 0,6 °C in den letzten 90 Jahren ist Fakt, aber wirft diese Erwärmung nicht auch die Frage auf, welche Auswirkungen sie nun tatsächlich hatte? In den meisten Puplikationen über den globalen Wandel geht es bei den konkreten Beispielen fast immer um solche, die weit von uns von statten gehen, während das Vorortgeschehen ausgeblendet bleibt. Dabei wird vieles ausgeblendet, weil sich das Ferne leichter übertreiben läßt, als das Naheliegende. Die Wirbelstürme im Golf von Mexiko oder in Bangladesh werden dann zu den Beweisen des Klimawandels, der sich bei uns vollzieht. Und die jüngsten Überschwemmungen in Mitteleuropa werden auch auf den Klimawandel weltweit geschoben und auch der Artenschwund soll an der Erwärmung liegen. Mit dieser Rhetorik entledigt man sich vor Ort der Verantwortung, entsprechende Gegenmaßnahmen beim Artenschutz, Hochwasserschutz und Waldumbau zu ergreifen. Verursacher sind nun wir alle und nicht nur diejenigen, die die Flüsse und ihre Auen einschnüren, das Niederschlagswasser schnell ableiten und weiter Baugebiete in Auen ausweisen. Auch sind wir auf einmal alle Schuld am Artenschwund, der durch den Klimawandel verursacht wird, wenn die Wärme die Arten vertreibt und nur wenige dazu kommen. Der eigentliche Verursacher der Klimanachfolgen ist der Mensch. Für die Rückgänge der meisten Vogelarten wie Haubenlerche, Feldlerche, Rebhuhn und Wachtel im Landkreis und darüber hinaus ist die rücksichtslose Landbewirtschaftung verantwortlich, durch die weite Gebiete vor Ort überdüngt werden und zur Eutrophierung ganzer Landstriche geführt haben. Hinzu kommt, daß viele der noch vor einigen Jahrzehnten existierenden Pflanzen und Tiere ausgerottet wurden, Insektenpopulationen zurück gingen und die Fichtenmonokulturen kaum oder gar nicht in laubholzreiche Wälder umgebaut wurden. Da bedeutet die Ansiedlung des Bienenfressers im nördlichen Teil des Kreises als zugewanderte mediterrane Vogelart seit 2007 mit 2 bis 4 Bruten kaum etwas.
Nichts veränderte im letzten Jahrtausend die Natur in Europa und weltweit so sehr wie die industrialisierte Landwirschaft und der Raubbau an den tropischen Wäldern. Die Roten Listen der gefährdeten Arten werden immer länger, weil die Intensität der Argrarindustrie zunimmt und nicht kürzer, weil Maßnahmen des Arten- und Biotopschutzes nicht greifen.
Gut, wir haben auf lokaler Ebene als NABU - Kreisverband einige Erfolge aufzuweisen durch gezielte Artenschutzmaßnahmen in Naturschutzgebieten, doch nur punktuell, aber im ganzen geht es bergab mit der Artenvielfalt.

Klaus Götze, Diplomgeologe

Rothenstein - NABU-Besitz wächst weiter

145 Hektar im Naturparadies Rothenstein geschützt

Die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe hat weitere 48,9 Hektar des ehemaligen russischen Truppenübungsplatzes Rothenstein von der Landesentwicklungs-gesellschaft Thüringen gekauft. Mit der Unterzeichnung des fünften Kaufvertrages am 23. Juli 2010 wächst das Flächeneigentum in NABU-Hand auf nunmehr kompakte 145,1 Hektar an.
Erworben wurden rund 41,5 Hektar Wiesen im Zentrum des ehemaligen Schießplatzes sowie ca. 7,4 Hektar Wald am Kuxberg. Der neue NABU-Wald ist ein naturnaher Kiefern-Eichen-Bestand, in dem Bunt-, Grün- und Schwarzspecht leben. Die NABU-Stiftung wird ihren Wald aus der Nutzung nehmen und komplett der Naturentwicklung überlassen.
Die Offenlandflächen sind durch kleinere Feuchtlebensräume und vereinzelte Gebüsche strukturiert. In den Glatthaferwiesen wachsen Wiesenschlüsselblume, Esparsette, Aufrechter Ziest, Hufeisenklee, Gemeiner Wundklee, Wiesensalbei und Fiederzwenke. Hier blühen Sommeradonisröschen, Echtes Tausendgüldenkraut, Küchenschelle, Kronwicke und Spargelerbse. Die Wiesen möchten wir weiter durch einen Schäfer beweiden lassen, aber als Eigentümerin wollen wir ein starkes Augenmerk auf eine naturschonende Art der Schafbeweidung legen.
Die Finanzierung des Kaufs erfolgte aus Spenden, zu denen der NABU bundesweit aufgerufen hat. All den Spendern und Spenderinnen, die uns die Erweiterung des NABU-Naturparadieses Rothenstein ermöglichten, rufen wir ein fröhliches "Danke schön!" zu!
Verarmung unserer Kulturlandschaften

Wo sind heute die Äcker geblieben, auf denen noch zahlreich Rittersporn, Mohn und Kornblume blühen darf ??? Wo die riesigen Rebhuhn-, Hamster- und Hasenpopulationen, die es einst gab ???
Nein, nicht´s ist davon geblieben. Es findet ein Massensterben direkt vor unserer Haustür statt. Besonders viele Tier- und Pflanzenarten, die direkt oder indirekt auf diesen Lebensraum, als Wuchsort, Brutplatz, Nahrungsquelle oder andersweitig angewiesen sind, bietet die "Nektarwüste Getreidefeld" kaum noch Möglichkeiten zum Überleben. Entsprechend stark ist die Tier- und Pflanzenwelt der intensiv bewirtschafteten Fluren zurückgegangen, und dies gilt nicht nur für unsere Felder, sondern ließe sich auf viele andere landwirtschaftlich genutzte Bereiche fortführen. Für einen genauen Beobachter wird dies schon deutlich in der Art und Weise der rasanten Veränderungen unserer Dörfer in ihrem Erscheinungsbild oder der Landschaft drumherum. Durch einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck und der daraus resultierende Perfektionierung mit seinen Methodiken und Einstellungen, so über die chemische Unkrautbekämpfung hinaus haben Saatgutreinigung, verbesserte Bodenbearbeitung, früher Stoppelumbruch, die Veränderung der Standorte durch Aufkalkung, Düngung und Drainage und Beseitiung von "vermeintlich" störenden Strukturen (wie Hecken, Feldrainen, einzelstehenden Bäumen usw.) zu dieser drastischen Reduziereng beigetragen. Und selbst die Einwanderung von sogenannten "Neubürgern" (Neophyten) - also ehemals fremde Arten, die erst in den letzten Jahren aus fernen Ländern zu uns "vorgestoßen" sind, konnten jenes Defizit nicht ausgleichen.
In der kommerziellen Landwirtschaft (ausgenommen sei der kleine Kern der Individualisten im ökologischen Lanbau) finden scheinbar heute nur noch Extreme statt. Die einerseits schon beschriebene Intensivierung und deren Folgen: Hier nur einige ergänzende Aussagen dazu: So führen allein schon die, nach einer aktuellen europaweiten Studie der EU, auf Äckern und deren Umgebung aufgebrachten Spritzmittel zur massiven Reduzierung der Pflanzen und Tiere dieser Flächen. Dadurch steht z. B. jede zweite Ackerwildkraut-Art in mindestens einem Bundesland Deutschlands auf der Roten Liste. Übrigens wird dieses Begleitwerk von Quartal zu Quartal immer länger.
Zum Vergleich - während auf einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1000 Arten vorkommen, sind es bei mit Pestiziden behandelten Äckern nur noch rund die Hälfte. (Um zu diesem fundierten Ergebnis zu kommen wurden zu diesem Zweck 150 Weizenfelder in Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Irland, Spanien, Polen, Estland und Frankreich untersucht. Die Wissenschaftler haben u. a. die spezielle Lage der Felder, den Charakter der Landschaft, die Bodenbeschaffenheit, die Nähe zu anderen Biotopen und besonders die Art des Landbaus und des damit verbundenen Einsatzes verschiedener Geräte und Substanzen bewertet).
Gleiches gilt auch für die Tierwelt, so sind Säugetiere, Schmetterlinge, Bienen sowie Laufkäfer und Vögel davon besonders betroffen.
Um auf einer lokalen Ebene zu bleiben, sind im Saale - Holzland - Kreis durch den jahrzehntelangen Einsatz von Spritzmitteln und den veränderten Bearbeitungsbedingungen die Feldhamster ausgestorben. Auch werden jedes Jahr immer weniger brütende Vögel wie Wachtel, Rebhuhn und Feldlerche auf dien Feldern beobachtet. Der Kiebitz brütet schon lange nicht mehr in den Saale-Auen. Auch die Amphibien sind in ihrer Artenvielfalt und Populationsstärke in intensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen zurückgegangen. Auf der anderen Seite ist ein Artenrückgang durch eine Nutzungsaufgabe in Form von Brachfallen, Überbauung und andere zweckentfremdende Nutzungen (z. B. als Golfplätze) zu beobachten. Besonders ertragsarme und "scheinbar" schwer zu bewirtschaftende Flächen sind hier besonders betroffen. (Leider weisen gerade solche Standorte, die traditionell extensiv bewirtschaftet wurden und so letzte Rückzugsgebiete bedrohter Arten darstellten, den größten Artenreichtum auf, z. B. flachgründige Kalkäcker).
Es werden heute noch die kleinstrukturierten hangigen "Splitterfelder" im Hügel- und Bergland aufgegeben, aber auch auf ertragsarmen Sandstandorten z. B. unserer Buntsandsteinregionen wurden vielfach Felder "stillgelegt". Sie fallen brach oder werden in artenarmes Dauergrünland umgewandelt. Durch das Ausbleiben der Bodenbearbeitung haben einjährige oder spezialisierte Tier- und Pflanzenarten, die ihren Vegetations- bzw. Entwicklungszyklus jedes Jahr nach erfolgter Bestellung des Feldes neu durchlaufen, keine Entwicklungsmöglichkeit mehr. Die Ackerwildkräuter werden so bald von ausdauernden Arten verdrängt, Tierarten verschwinden oder müssen, wenn noch vorhanden, auf weniger gute Standorte ausweichen. In strukturarmen Regionen könnten diese Stillegunen zu einer Verbesserung der geschilderten Situationen führen, machen es aber kaum. Weil selbst diese Flächen bis zum Maximum genutzt werden - so wird 3 - 4 im Jahr eine Wiesenmahd mit schwerem Gerät durchgeführt (für einen brütenden Vogel eine tödliche Falle).
Es muß sich etwas verändern - so kann´s nicht weitergehen. Viele Schäden können nicht mehr ausgeglichen oder beseitigt werden. Doch die letzten bestehenden intakten Räume und Strukturen im Agraraum zu erhalten oder gar wieder herzustellen wurden im Rahmen einzelner Projekte durch Fach- und Interessengruppen, durch Institutionen oder Einzelpersonen Versuche unternommen, die zum Erhalt der hiesigen Tier- und Pflanzenwelt dienen.
Kleine Anmerkung: Traurigerweise finden im Saale - Holzland - Kreis aktuell kaum noch Bemühungen des Schutzes z. B. von Ackerwildkräutern statt, so durch Ackerrandstreifenprogramme. Dem könnte entgegengewirkt werden durch Aktivierung von ehemaligen oder angedachten Projekten, oder der Entwicklung dieser.

Dominik Huber
Klima - aktuell

Nach Angaben des britischen MetOffice waren die 2000er Jahre mit Abstand die wärmste Dekade seit den 1850er Jahren, als damals die regelmäßigen Temperaturmessungen erfolgten.
Wir erlebten zwischen 2000 und 2009 das bisher wärmste Jahrzehnt seit 130 Jahren. Die Jahre 2000 und 2007 brachen alle Rekorde. Die Jahresmitteltemperatur betrug jeweils 9,9 °C, so warm war es noch nie seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen vor 130 Jahren.
Der heißeste Sommer fiel auf das Jahr 2003, wo am 9. August in Freiburg 40,2 °C gemessen wurden. Der heißeste Sommer war 2003 mit durchschnittlich 19,7 °C in den Monaten Juni, Juli und August und damit um mehr als 1 Grad wärmer wie im bisherigen Rekordjahr 1947.
Der Niederschlagsrekord war am 12. August 2002, wo im östlichen Erzgebirger 312 Liter auf den Quadratmeter fielen.
Höchstwerte von Niederschlägen verzeichnete der Deutsche Wetterdienst für das letzte Jahrzehnt. Im Mittel fielen jedes Jahr 827 Liter auf den Quadratmeter und damit erheblich mehr als in allen Jahrzehnten seit der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren.
Das Jahr 2009 fällt unter die 10 wärmsten je gemessenen Jahre seit den Messungen ab 1850.