Beiträge Klima ⁄ Landnutzung


Agrarreform braucht stärkere ökologische Ausrichtung
NABU Thüringen fordert, Agrarsubventionen müssen an echte gesellschaftliche Leistungen gebunden sein

Die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) muss stärker ökologisch ausgerichtet werden; dies fordert der NABU Thüringen auf seiner Landesvertreterversammlung am Samstag in Nordhausen. Hintergrund für diese Forderungen ist die noch zu zögerliche Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik, die laut EU-Kommission auch der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen und der Bekämpfung des Verlustes der biologischen Vielfalt dienen soll.
"Um die vereinbarten Biodiversitätsziele der EU bis 2020 zu erreichen, ist es vor allem wichtig die Förderkulisse in Richtung artenreiches Dauergrünland zu lenken und sinnvolle Rand- und Uferrandstreifenprogramme aufzulegen", fordert Mike Jessat der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. Ökologische Leistungen müssen die Voraussetzung von Agrarsubventionen sein und zukünftig in der Beratung der Landwirtschaftsbetriebe durch die Agrarverwaltung des Freistaates eine deutlich wichtigere Rolle spielen.
Martin Schmidt, Mitglied im NABU-Landesvorstand, unterstreicht dies in seinem Beitrag über mögliche Thüringer Schwerpunkte in der neuen Förderperiode. "Artenreiches Dauergrünland trägt besonders zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Unsere Mittelgebirge brauchen die Bergwiesenpflege genauso dringend wie die Ackerebene Rand- und Uferstreifenprogramme. In unserer ausgeräumten Landschaft finden dort bedrohte Arten noch letzte Rückzugsräume". Laut Auffassung des NABU sind auch verstärkt Maßnahmen zur Reduzierung diffuser Stoffeinträge in die Gewässer und in das Grundwasser zur ergreifen. Hierfür ist vordringlich das Pflanzenschutz- und Düngerecht zu schärfen anstatt zusätzlich zu den flächendeckenden Direktzahlungen weitere Steuergelder auszuschütten.
Die Delegierten der Versammlung begrüßten ebenfalls die gemeinsame Position von NABU und den Thüringer Imkerverbänden, zur Situation der bestäubenden Insekten. In dieser fordern die Verbände unter anderem von der Landesregierung einen Aktionsplan für blühende Landschaften. Denn zunehmende Umwelt-belastungen und der Mangel an artenreichen Blütenpflanzen machen Honigbienen, Wildbienen und vielen anderen Insekten das Leben schwer. Der Aktionsplan muss über alle Naturräume und Landnutzungsformen hinweg einen Mindestanteil von 10 Prozent ökologischer Vorrangflächen sichern. Das gilt in erster Linie für das Offenland. Durch ökologische Vorrangflächen soll die Biodiversität gefördert werden. Blühstreifen und Ackerraine mit regionaltypischen und insektenfreundlichen Pflanzen können dazu beitragen.

Quelle: NABU Pressedienst
Sichtbarer Klimawandel nach phänologischen Beobachtungen

Der Klimawandel schreitet ständig voran. Das ist das Ergebnis der Auswertung von jahreszeitlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt durch den Deutschen Wetterdienst.
Der DWD betreibt seit 1951 ein phänologisches Beobachtungsnetz mit über 2000 Stationen zur Beobachtung wild wachsender Pflanzen und landwirtschaftlicher Kulturen von Obstgehölzen und Wein in Deutschland.
Hier die wichtigsten Erkenntnisse der 50-jährigen phänologischen Beobachtungen:

1. Immer früheres Einsetzen von Blattentfaltung und Blüte um 1,3 bis 3,1 Tage pro Dekade
2. Ständig weitere Hinausschiebung der Herbstphasen (Blattverfärbung und Fallen der Blätter) um 0,3 bis 1,6 Tage je Dekade.
3. Erhöhung der Dauer der Vegetationszeit um mehr als 10 bis 12 Tage gegenüber der Beobachtungszeit von 1951 bis 2000 in Deutschland.


Auch das frühzeitige Ablaichen von einigen Amphibienarten, die häufigere Überwinterung von Zugvögeln bzw. ihre vorzeitige Rückkehr und das frühzeitige Auftreten von Tagschmetterlingen sowie der Rückgang montaner Orchideen in den Alpen und Mittelgebirgen sind sichtbare Folgen des Klimawandels in Deutschland.
Mit dem Klimawandel werden auch die Extremwetterlagen wie Starkregen, Stürme, rasche Lufttemperaturwechsel, Überschwemmungen und Trockenperioden zunehmen. Diese bereits in Gang befindlichen Umweltveränderungen, vor allem die Eutrophierung (Überdüngung) des Bodens und der Gewässer (Fließgewässer, Seen, Teiche und Tümpel) bergen zusammen mit den intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen aus unserer Sicht auch Risiken für die Tier - Pflanze - Interaktion. Das bedeutet u.a., dass die Synchronisation der Insekten als Bestäuber der Natur- und Nutzpflanzen gestört werden könnte, da die Aktivität Blüten besteubender Insekten wie beispielsweise der Bienen, Fliegen und Käfer vor allem durch den sich ergebenden Temperaturwechsel, aber auch durch die Veränderung des Wasserhaushalts bestimmt wird und langfristig zum weiteren Rückgang der biologischen Vielfalt führen wird. Die aktuelle Rote Liste der bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Thüringen liefert dazu eindeutige Beweise.

Dr. Jens Götze
Augustwetter mit viel Hitze und Trockenheit

Thüringen erreichte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes eine Sonnenscheindauer von 227 Stunden (Langjähriges Mittel: 172 Stunden) und Regenmengen von 58 mm auf den Quadratmeter sowie Lufttemperaturen von 18,5 °C (Langjähriges Mittel 16,0 °C). In Tegkritz nördlich von Gera wurden am 20. August 38,4 °C im Schatten gemessen. In Jena und im Saaleholzland fielen mit 36,3 mm etwa knapp die Hälfte der langjährigen Niederschlagsmenge, der bei 62 mm der Klimastation Jena liegt.
Durch die wenigen und nicht intensiven Niederschläge fielen zu Mitte des Monats August sämtliche Tümpel im Zentralteil des NSG Rothenstein trocken. Nur die Quelle im Ausgang des Herrengrundes westlich der Einfahrt zur Fa. Streicher schüttet noch spärlich Wasser. Auch die Karstspaltenquellen in Geunitz und bei Dienstedt, an der Obermühle Geunitz schütten geringe Grundwassermengen, die etwa NQ - Verhältnissen entsprechen.

Klaus Götze