Wiesenschutz


Unser Dankeschön an die Thüringer Stiftung Naturschutz zur Förderung eines neuen Gebirgsrasenmähers für die Mahd der Wiesen in den von uns betreuten Naturschutzgebieten "Gleistalhänge und Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal"

Die Wiesen brauchen unsere Hilfe !

Im 19. und bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es viele und blumenreiche Wiesen rund um die Dörfer und Städte unserer Heimat. Nicht nur die Haustiere wie Ziegen, Kühe und Pferde profitierten davon, sondern die Wiesen boten auch reichlich Nahrung für Maus, Maulwurf, Mäusebussard, Fasan, Rebhuhn, Wachtel und Feldhase aber auch Schutz und Lebensraum für diese und andere Tiere wie Heuschrecken, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge und Käfer. Der Bauer damals mähte die Wiese noch mit der handgedengelten Sense und gedüngt wurde kaum und wenn, dann mit Stalldünger. Die Wiese dankte es den Menschen mit Reichtum an Kräutern und gutem Futter für die Haustiere im Winter. Doch Mitte der 60-iger Jahre des vorigen Jahrhunderts endet die bisherige Geschichte. Es gab ein jähes Ende, denn Traktoren, Pflüge, Düngemittel und Gülle machten in nur wenigen Jahren die Wiese zu eintönigem Grünland und so ist es bis heute geblieben. Fette Grasacker, bis viermal im Jahr gemäht und ständig hohe Gülle - und Kunstdüngergaben ließ die Tiere in der Wiese verstummen - Grabesstille herrscht im Sommer. Schließlich brauchen die Kühe von heute eiweißreiches Gras und siliertes Futter. Auf diese Weise kam die Artenvielfalt der Wiese unter die Räder, weil die Menschen billige und große Mengen an Milchprodukten wollen. Nur noch an wenigen Stellen in der Landschaft blieben an unzugänglichen Grenzertragsstandorten, wie an Steilhängen und unwirtschaftlichen Gebieten, Reste von natürlichen Pflanzengesellschaften und Kleinstrukturen erhalten. Durch die politische Wende 1989 wurden sehr viele neue Naturschutz - und FFH - Gebiete auch im Landkreis geschaffen, um die letzten Refugien von Wiesenbiotopen zu sichern. Dazu gehören Feuchtwiesen, Kalktrockenrasen, Röhrichte, Seggenwiesen, Waldwiesen u.a.. Deshalb haben wir uns gleich nach der Wende dieser bedrohten Lebensräume als aktiver und staatlich anerkannter Naturschutzverband angenommen und pflegen seit 2 Jahrzehnten jedes Jahr über 15 bis 20 ha Wiesen lichtdurchfluteter Muschelkalkhänge in Naturschutzgebieten des Saale - Holzland - Kreises. Vor allem die NSG "Gleistalhänge" bei Löberschütz und "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal" bilden die Schwerpunkte der Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen. Durch unsere ehrenamtliche und damit gemeinnützige Arbeit leisten wir damit einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt blumenreicher Wiesen mit einer hohen Fülle an Pflanzen- und Tierarten für uns und zukünftige Generationen. Diese von uns umsorgten Gebiete wurden vor einigen Jahren in das europäische Netz "NATURA 2000" aufgenommen und stehen unter strengem Naturschutz. Leider übersteigen aber die Unkosten unser bescheidenes Vereinsbudget, denn die Mahd und Heuentsorgung und die Entbuschung weiterer Flächen kosten immer mehr.
Umsomehr haben wir uns über den Bescheid vom November 2011 der Stiftung Naturschutz Thüringen gefreut, der den Kauf eines neuen Gebirgsrasenmähers beinhaltet und der uns eine 80% ige Finanzierung durch die Stiftung zusichert. Daher möchten wir uns ganz herzlich beim Stiftungsbeirat und Frau Schrader bedanken. Dafür möchten wir Sie schon jetzt ganz herzlich zu einer Orchideenexkursion in das NSG "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal" im nächsten Frühling einladen und Sie können sich mit eigenen Augen und Sinnen an der bunten Vielfalt der zahlreichen Wiesen erfreuen.

Vielen herzlichen Dank

Klaus Götze, Vorsitzender NABU SHK e.V.
Christian Wendler, Stellv. Vorsitzender
Christiane Steinhardt, Schatzmeisterin


Foto: H. Kraußer (NABU SHK)

Foto: H. Kraußer (NABU SHK)

Unser Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt zum "Tag des Ehrenamtes" am 18.09.2010

Wiesenmahd im NSG "Spitzenberg - Schießplatz Rothenstein - Borntal"

Durch Mitglieder und Freunde des NABU SHK e.V. wurde am Sonnabend, den 18.09.2010, von 8.30 bis 13.30 Uhr ein lange geplanter Landschaftspflegeeinsatz auf den etwa 2 ha großen Wiesen im hinteren Löschtal durchgeführt. Bei sonnigem Wetter hatten sich wieder viele Helfer eingefunden, um das am Vortag gemähte Gras mit dem Handrechen zusammenzuharken, aufzuhäufen und auf Hänger zu laden. Das Schnittgut wurde anschließend auf einen in der Nähe von Kahla gelegenen Kompostierungsplatz geschafft. Auch gerodetes Gebüsch von Entbuschungsarbeiten der letzten Jahre wurde auf diese Weise entsorgt und somit wieder in den Kreislauf der Natur zurückgeführt.
Mit diesem ehrenamtlichen Pflegeeinsatz haben wir einen, wenn auch nur kleinen, Beitrag zum Erhalt der regionalen biologischen Vielfalt geleistet. Durch die jedes Jahr durchgeführte einschürige Mahd über die Jahre haben sich die Kräuter und Gräser langsam und stetig erholt und sind im Begriff, sich auszubreiten. Dabei umfaßt die Wiese Abschnitte mit Trockenstandorten in den hangigen Abschnitten, die allmählich talwärts in frische Wiesenbereiche übergehen. Dabei hat sich nach den mühevollen Entbuschungsarbeiten vor etwa 5 - 6 Jahren eine bemerkenswerte floristische Vielfalt entwickelt, die ab dem Frühjahr bis in den Spätherbst hinein unsere Augen erfreut. Hier eine kleine Auswahl: Wiesensalbei, Wiesenmargarite, Wundklee, Skabiosen - Flockenblume, Wiesenflockenblume, Wiesenstorchschnabel, Wiesenkerbel, Kuckuckslichtnelke, Echtes Wiesenlabkraut, Kartäusernelke, Herbstaster, Deutscher Enzian u. a. . Aber auch die Orchideen profitieren von den günstigen kleinklim atischen Veränderungen mit hoher Sonnenscheindauer und Bodenerwärmung. Dadurch haben bereits in bescheidenem Maße auch Purpurknabenkraut, Helmknabenkraut, Weißes Waldvöglein, Blasses Knabenkraut, Mücken-Händelwurz und verschiedene Ragwurzarten wieder ausgetrieben, deren Knollen über Jahrzehnte in der Erde nur auf diese Ereignisse warteten! Durch die Mahd wurden vor allem hochwüchsige Gräser und Kräuter gefördert. Auch die Orchideen können sich nach unseren Erfahrungen optimal nur unter Mahd entwickeln. Das zeigen die Bestände am Lichtersberg im NSG deutlich, wo seit 1994 jährlich die Wiesen von uns gemäht werden.
Für den engagierten Einsatz (etwa 90 Ehrenamtsstunden) möchte sich der Vorstand an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Helfern bedanken. Thüringer Bratwürste, vor Ort auf dem Rost gebruzelt, rundeten den gelungenen Pflegeeinsatz ab und alle freuten sich ob des Einsatzes zum Erhalt für unsere Kulturlandschaft.

Klaus Götze


Rückblick auf das Schmetterlingsjahr 2010

Um es vorweg zu sagen, nicht nur uns Menschen hat das kalte Frühjahr, die heißen Tage im Juli und die dazwischen liegenden nassen Perioden und der verregnete August nicht gefallen. Auch die Schmetterlinge ließen sich kaum blicken.
Vor Mitte April ließ sich kein Tagschmetterling sehen. Lediglich vereinzelt turtelten einzelne Zitronenfalter und Tagpfauenaugen durch den Reinstedter Grund. Die Falter stammten aus der spätsommerlichen Generation von 2009. Auch der Mai und Juni waren zu frisch und so konnten nur wenige Tagfalterarten beobachtet werden. Dazu zählten Aurorafalter, Kleiner Fuchs, Kleiner und Großer Kohlweißling und Kleinfalter verschiedener Arten.
In der Hitzeperiode Ende Juni bis Mitte Juli wurden keine Flugbeobachtungen von Tagfaltern registriert. Besser wurde es mit dem Temperaturrückgang in Mitte Juli und vor allem die Bläulinge dominierten in den Trockenwiesen der Kalkhänge zwischen Jena - Kahla bis Reinstedt. In hoher Dichte konnten wir überall auf den naturbelassenen Trockenwiesen um Diensstedt, Kahla, Gumperda, TÜP Rothenstein, Wittersroda, Kleinbucha und Geunitz den Himmelblauen Bläuling, den Hauhechelbläuling und den Zwergbläuling beobachten. Auch der Kleine Schillerfalter konnte als Erstnachweis auf Meßtischblatt Blankenhain, Nr. 5143, festgestellt werden.
Durch den verregneten und sehr kühlen August war das Schmetterlingsjahr schon fast vorbei. Unsere Beobachtungsdaten stellen wir jedes Jahr kostenlos der Helmholtzgesellschaft in Halle zur Verfügung, die alle Daten des deutschlandweiten Tagfalter - Monitorings sammeln und auswerten.

Klaus Götze
In den naturbelassenen Magerwiesen auf dem TÜP Rothenstein konnten dieses Frühjahr die Feldlerchen und Haubenlerchen erfolgreich ihre ersten Bruten aufziehen. Der Wiedehopf wurde nicht wieder verhört und ist wahrscheinlich weiter gezogen.
Die Wiesenmahd beginnt Anfang Juli nach der Hauptblüte der Wiesenblumen (Margarite, Salbei, Labkraut, Esparsette, Sommeradonisröschen, Gr. Glockenblume), so daß die Samen ausfallen können und so zum Fortbestand der bunten Wiesen beitragen.
Mit mindestens einem Dutzend Orchideenwanderungen in mehreren Schutzgebiten des Landkreises konnten wir wieder viele Mitmenschen von der Wichtigkeit
der Erhaltung der bunten Wiesen überzeugen. Leider mußten wir feststellen, dass durch einige Unverbesserliche richtige Trampelpfade in die Trocken- und Feuchtwiesen gemacht worden sind, die dann von nächsten Personen erweitert wurden. Pflanzen wurden zertreten, ausgegraben und abgerissen. Was nutzt unser ganzer Fleiß, wenn diese Idioten viel von unserer Arbeit zunichte machen. Das ist kontraproduktiv und gegen den Schutz der bunten pflanzlichen Vielfalt unserer
naturnahen Wiesen gerichtet, von denen es eh nur noch wenige in der Agrarwüste gibt.

Dr. Jörg Ozegowski
Brummer sind wieder da

Die Insekten sind wieder voll in Aktion und lassen sich ohne viel Mühe beobachten, sei es im Garten, auf der Terrasse, dem Balkon oder in der freien Natur.
Diese einzeln lebenden Hautflügler bevorzugen hohle Äste, Röhren im Lehm und nehmen auch die von uns Menschen in Hartholz gebohrte Röhren (mindestens 5 cm Länge) gerne an. So kann sich der interessierte Beobachter selbst ein kleines Biotop bauen und auf dem Balkon etc. anbringen. Die Insekten nehmen diese künstlichen Nischen stets an und da kann man schon vieles beobachten. Zuerst wird durch unsere wilde Biene die Röhre gemäß ihrer Größe und Durchmesser und Glätte der Wände geprüft. Findet unsere Biene das günstig, dann beginnt der Markierungsflug, mit dem die Biene über den Sonnenstand die Röhre wieder findet. Das geht so mehrere Stunden und das Insekt entfernt sich dabei kaum mehr als 5 bis 6 Meter vom Standort. Danach wird Pollen und Nektar gesammelt und eingetragen. Im Anschluß legt unsere Wildbiene mehrere Eier in einem Kokon ab. Dann werden die einzelnen Eiablagen mit dünnen Häutchen voneinander getrennt und schließlich wird die Röhre verschlossen.
Nach drei bis vier Tagen ist die Arbeit getan. Erst im nächsten Frühjahr wird sich aus dem Ei die Larve entwickeln, sich mehrfach heuten und schließlich als fertiges Insekt (Imago) die Röhre verlassen.
Die Bienen verständigen sich untereinander insbesondere über selbst produzierte Duftstoffe, die sog. Pheromone. Die Tanzsprache dient der Übermittlung von Informationen über die Lagerichtung bezogen auf den Stand der Sonne und Entfernung von Nahrungsquellen (Trachtpflanzen) sowie neuen Behausungen. Durch Experimente konnten diese Zusammenhänge herausgefunden werden. Sammelbienen können mittels der Tanzsprache im Stock beschäftigungslose Bienen bei Entdeckung einer guten Nektarquelle für die Sammeltätigkeit gewinnen. Alle Arbeitsbienen müssen ran und ihren Beitrag zum Bestand des Volkes leisten;
(Wenns nur auch bei uns Menschen so wäre !)
Die natürlichen Behausungen der Bienenvölker sind witterungsgeschützte Höhlungen wie z. B. in Baumstämmen. In dieser Höhlung legen die Bienen aus körper-eigenem Wachs kunstvolle Waben an, die sich kaum voneinander in Größe und Volumen unterscheiden. Sie hängen immer senkrecht zur Höhlung. Diese Waben bestehen aus sechseckigen Zellen, die für die Aufzucht von Brut oder zur Lagerung von Vorräten (Honig und Pollen) genutzt werden.
Die Temperaturen im Bienenstock liegen konstant bei 33 bis 36 °C. In der modernen Bienenhaltung gibt der Imker den Bienenvölkern eine Behausung vor, die Bienen- beute genannt wird. Der Imker gibt durch die Holzrahmen mit vorgefertigten Wachsmittelwänden die Ausrichtung der Waben in der Beute vor und erleichtert den gutmütigen Brummern die Arbeit.
Während die Sommerbienen nur wenige Wochen alt werden, leben die Winterbienen mehrere Monate. Üblicherweise überleben diese den Winter und erfüllen im einsetzenden Frühjahr mit Beginn der Eiablage durch die Königin die Arbeiten von den Sommerbienen. Mit diesen Aufgaben werden sie physiologisch zu Sommer-bienen und sterben im Laufe des Sommers, wenn neue Generationen von Sommerbienen schlüpfen. Bei entspechend guten Nektarangeboten erhöht sich während des Frühjahres kontinuierlich der Anteil der Brut und damit auch die Anzahl der erwachsenen Bienen. Gegen Ende der Brutsaison reduziert sich das Volk allmählich durch weniger Eier der Königin und die Anzahl erwachsener Bienen nimmt ab.
Im Sommer passiert dann in vielen Bienenstöcken folgendes: Durch die ständige Zunahme der Bienen im Frühjahr, der sich daraus ergebende Platzmangel im Stock sowie die Abnahme der Verteilung des Königinnenpheromons, gute Trachtmöglichkeiten mit hohem Nektar- und Pollenangebot führen dazu, dass in dem Bienenvolk auch Königinnen nachgezogen werden. Das Volk der Bienen kommt in Schwarmstimmung, die verbunden ist mit abnehmender Sammeltätikeit und Verhinderung weiterer Eierlegtätigkeit der alten Königin, das letzlich dazu führt, dass etwa die Hälfte des Volkes mit der alten Königin auszieht und umher zieht.
Die Spurbienen fliegen dem Schwarm voraus, der manchmal an den unmöglichsten Orten hängt wie an Straßenbahnoberleitungen, in Dachgiebeln und Bäumen und suchen eine neue Nisthöhle. Dort wird ein neues Volk aufgebaut und damit die Vermehrung der Bienen gesichert. Die neue Königin im alten Stock bleibt als Nachfolgerin der flüchtigen alten Königin beim Bienenvolk, die dann nach ihrem Hochzeitsflug für den Bestand des Volkes mit dem Eierlegen sorgt.
Einfach und effektiv, diese Reproduktionsstrategie der sanften Brummer.
Die Wiese im Wandel der Zeiten

Im 12. Jahrhundert prägten vor allem Wälder das Bild und der Mensch ernährte sich vom Ackerbau und begann mit der Domestizierung von Wildtieren. Durch den Brennholzeinschlag und die Rodung des Walde entstehen die ersten Blößen, aus denen sich Wiesen entwickelten.
Um 1350 verschlechterte sich zunehmend das Klima und es wurde kälter. Mit der kleinen Eiszeit kamen harte Winter mit viel Schnee und im Sommer regnete es oft in Strömen, so dass die Ansiedlung von Dörfern ins Stocken kam. Nach fast 270 Jahren wurde es wieder wärmer und der Mensch rückte dem Wald mit Axt und Säge zu Werke. Im 19. und bis Mitte des 20. Jahrhunderts gab es viele und blumenreiche Wiesen rund um die Dörfer und Städte. Nicht nur die Haustiere wie Ziege, Kuh und Pferd profitierten davon, sondern die Wiesen boten auch reichlich Nahrung für Maus, Maulwurf, Mäusebussard, Fasan, Rebhuhn, Storch und Feldhase, bot sie doch reichlich Futter, Schutz und Lebensraum für diese und andere Tiere wie Heuschrecken, Hummeln, Bienen, Schmetterlinge, Vögel und Käfer. Der Bauer damals mähte die Wiese noch mit der handgedengelten Sense und gedüngt wurde kaum und wenn, dann mit Stalldünger. Die Wiese dankte es den Menschen mit Reichtum an Kräutern und gutem Futter für die Haustiere im Winter. Doch Mitte der 60iger Jahre des vorigen Jahrhunderts endet die bisherige Geschichte. Es gab ein jähes Ende, denn Traktoren, Pflüge, Düngemittel und Gülle machten in nur wenigen Jahren die Wiese zu eintönigem Grünland und so ist es bis heute geblieben. Fette Grasacker, bis 4x im Jahr gemäht plus hohe Kunstdüngergaben ließen die Tiere in der Wiese verstummen - Grabesstille herrscht im Sommer. Schließlich brauchen die Kühe von heute eiweißreiches Gras und siliertes Futter. Auf diese Weise kam die Artenvielfalt der Wiese unter die Räder, weil die Menschen billige und große Mengen an Milchprodukten wollen.
Viele Tier- und Pflanzenarten sind daher verschwunden. Nur noch wenige Arten überleben diesen Streß wie der Löwenzahn, das Knäulgras, Brennessel, Maulwurf und Grille. Müssen wir uns daran gewöhnen, dass die artenreichen Wiesen verschwunden sind? Nein! Landwirte reagieren auf uns als Verbraucher über den Markt. Jeder einzelne kann aber auch einkaufen bei zertifizierten Bioproduktbauern und so beitragen, dass dieser hochsensible Lebensraum Wiese überlebt.
Wir als aktiver Naturschutzverband pflegen seit Jahrzehnten über 15 bis 20 ha Wiesen lichtdurchfluteter Muschelkalkhänge und Feuchtwiesen in Naturschutzgebieten des Saale - Holzland - Kreises sowie Bergwiesen im Schiefergebirge und leisten damit einen kleinen Beitrag zur Erhaltung blumenreicher Wiesen mit einer hohen Fülle an Pflanzen- und Tierarten für uns und zukünftige Generationen. Machen Sie bei uns mit - die Wiese wird Sie belohnen mit üppiger Blütenpracht - zu Ihrer Freude!

Klaus Götze, Jörg Ozegowski
Winterflämmen als Pflegealternative

Das Flämmen als Methode insbesondere zur Erstpflege von stark verfilzten Trockenrasen ist wahrscheinlich seit hunderten von Jahren in und um Jena betrieben worden. Naturschutzfachlich ist diese Methode umstritten. Von manchen Autoren wird sie ohne Einschränkung  empfohlen, während andere Vorbehalte äußern, die insbesondere auf die Schädigung der Kleintierfauna auf den Brandflächen abzielen. Dem ist entgegegen zu halten, dass bei einer Sukzession, meist der einzigen Alternative zum Flämmen, die biotoptypische Zusammensetzung der Bodenfauna mit noch größerer Gewissheit verschwinden wird. Es gibt aber Beispiele für sehr erfolgreiches Flämmen im thüringischen NSG Harzgrund, wo Hartmut Herr Kempf seit nunmehr 4 Jahrzehnten diese Methode anwendet mit guten Ergebnissen bei der Entwicklung der Flora und Fauna der Bergwiese im Harzgrund.
Deshalb wollen wir in diesem Jahr unter der Anleitung von Herrn Kempf diese Methode des kalten Winterflämmens auf dem TÜP Rothenstein auf  kleinen Parzellen durchführen.

Klaus Götze
Klimaerwärmung verschiebt Blühzeitpunk von Pflanzen

Nach neusten Veröffentlichungen der Universität Bayreuth hat sich der Beginn des Frühlings seit 1960 auf der nördlichen Halbkugel im Schnitt um 2,5 Tage pro Jahrzehnt verschoben. Über die Auswirkungen dieser Verschiebungen auf die Tiere und Pflanzen gibt es nur wenig Forschungsergebnisse. Lediglich bei einzelnen Pflanzen gibt es erste Hinweise. Bei einmonatlicher Trockenheit zum Zeitpunkt der Blüte von Grünland- und Heidepflanzen in Mittleleuropa verschiebt sich die Blüte um durchschnittlich 4 Tage. Auch der Starkregen ist von Einfluß auf die Blüte von Pflanzen. So hat sich der Blühzeitraum des Gewöhnlichen Hornklees, eines Frühlingsblühers, durch Starkregen um einen Monat verfrüht.
Mit dem Wandel des Klimas werden solche Extremwetterereignisse an Häufigkeit und Intensität in den nächsten Jahren zunehmen. Dies birgt in sich ein Risiko für die Tier - Pflanze - Interaktionen und ökologische Serviceleistungen. Das bedeutet auch, dass die Synchronisation der Insekten als Bestäuber der Pflanzen gestört werden könnte, da die Aktivität Blüten besteubender Tiere eher durch Temperaturveränderungen, als durch die Niederschlagsveränderungen bestimmt wird.
Durch die milden Winter in den letzten 15 bis 20 Jahren hat sich auch im Raum Jena die Blütezeit der Küchenschelle um mehr als 5 bis 8 Tage verschoben. Ähnliche Phänomene sind bei montanen Arten im Schiefergebirge zu beobachten.